Dafür müssen aber etliche Autofahrer liebgewonnene Gewohnheiten überwinden – Mitfahrzentrale und Zusteiger-Mitnahme
Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung vom 21. Mai 2008
Von Anton Ottmann
Wer von Neckargemünd, Bammental oder Mauer Richtung Walldorf ins Industriegebiet oder auf die Autobahn fährt, muss durch das Nadelöhr in Alt-Wiesloch und steht dort in den Hauptverkehrszeiten im Stau. Das vom Land Baden-Württemberg und der Stadt Wiesloch finanzierte Projekt „move“ (Mobilität bewahren und Verkehr sparen) will mit einer Reihe von „weichen Maßnahmen“ das Verkehrsaufkommen, Lärm, Abgase und Feinstaub so vermindern, dass den Anwohnern ebenso wie den Verkehrsteilnehmern geholfen wird. Unter der Leitung des Wieslocher Diplom-Psychologen Wolfgang Widder wurden bereits Gruppen gebildet, die sich mit den Verkehrsproblemen in Wiesloch und Dielheim, den Schulen und großen Industriebetrieben beschäftigen.
Neben kleineren Maßnahmen zur Verbesserung des Nahverkehrs, der Optimierung der Schülerbeförderung, der Organisation von Abfahrtspunkten für gemeinsames Radfahren, gibt es drei große Projekte, an denen sich alle beteiligen können, die Alt-Wiesloch durchfahren. Dazu gehören auch die Verkehrsteilnehmer aus Bammental, Gauangelloch, Hoffenheim, Mauer, Meckesheim, Neckargemünd und Zuzenhausen.
Mit der Aktion „4 statt 5“ verpflichten sich die Verkehrsteilnehmer freiwillig, einmal pro Woche auf ihr Auto als „Ein-Personen-Fahrzeug“ zu verzichten. Alternativen wie Fahrrad, Öffentlicher Nahverkehr oder Fahrgemeinschaften sind – je nach Situation – frei wählbar. Langfristiges Ziel ist es, das eigene Fahrverhalten auf umweltschonende und gleichzeitig oft preiswertere Alternativen zu überprüfen. Vierteljährlich werden unter den Teilnehmern attraktive Preise verlost.
Weiterhin wurde im Internet eine „Regionale Mitfahrzentrale“ eingerichtet. Die Mitfahrgelegenheiten können regelmäßig oder einmalig sein, die Strecken in der Nähe liegen oder beliebig weit weg. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Das wichtigste und in der Ausgestaltung einmalige Angebot ist die „Zusteiger-Mitnahme“. Wahrend beim Trampen beide Seiten anonym bleiben, sollen bei diesem System alle Beteiligten bekannt sein. Dazu erhält der mitnahmebereite Autofahrer nach seiner Registrierung im Internet einen gut sichtbaren Aufkleber, der Zusteiger Schilder, die sein jeweiliges Fahrziel erkennen lassen. Beide können sich mit speziellen Bescheinigungen ausweisen. Zusteigmöglichkeit besteht an allen Haltestellen des ÖPNV, weitere können bei Bedarf eingerichtet werden. Zwischen Gast und Fahrer kann auch ein Fahrgeld vereinbart werden, empfohlen wird ein Euro für jede Strecke in der Region. Beide sind im Rahmen der gesetzlichen Kfz-Haftpflichtversicherung versichert.
Während die „Regionale Mitfahrzentrale“ bereits besteht, kann die „Zusteiger-Mitnahme“ erst gestartet werden, wenn sich genügend Teilnehmer finden und an den Haltestellen keine allzu großen Wartezeiten in Kauf genommen werden müssen. Trotz zahlreicher Meldungen ist man von diesem Ziel aber noch ein gutes Stück entfernt.
Widder greift mit seinen Vorschlägen bereits praktizierte Maßnahmen aus anderen Regionen in Deutschland auf. Er hat sich gründlich damit beschäftigt, Schwachpunkte analysiert und ausgeräumt. Die Hauptschwierigkeit liegt darin, dass der Einzelne liebgewonnene Gewohnheiten überwinden muss. Ständig steigende Benzinpreise könnten dazu beitragen, dass sich der eine oder andere doch von den Vorteilen von „Move“ überzeugen lässt. Dazu steht ihm die Homepage www.move21.de zur Verfügung. Dort kann er sich auch an der Aktion „4 statt 5“ beteiligen, für die „Zusteiger-Mitnahme“ registrieren lassen oder den kostenlosen Newsletter abonnieren, der über alle Aktionen informiert. Fahrgemeinschaften werden direkt über www.mifaz.de/wiesloch vermittelt.
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