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Warum Fahrradfahren?

Warum Fahrradfahren?

Gotthelf Kern, Mitglied der move-Fahrradgruppe, schrieb den Text „Warum Fahrradfahren?“, der im Dielheimer Mitteilungsblatt am 13.6. erschien.

Ca. 60% aller Wege innerhalb der Städte und Gemeinden sind kürzer als 3 km und 39% aller mit dem Auto erledigten Fahrten liegen innerhalb dieser Distanz. Bedenkt man, wie viel Schadstoffe dabei ausgestoßen werden, lohnt es sich doch bestimmt, das Auto stehen zu lassen und den Drahtesel aus dem Keller zu holen. Dabei ist es sogar vernünftig, Strecken bis 10 km mit dem Fahrrad zurückzulegen.
Überlegen wir doch einmal, was wir durch den Gebrauch des Autos an Luftverschmutzung uns selbst, unseren Kindern und Mitmenschen antun. Wir fahren oder besser wir stehen mit dem Auto im Stau von und zur Arbeit und haben tagsüber größtenteils kaum Bewegung. Als Ausgleich fahren wir dann abends mit dem Auto ins Fitness-Center und zahlen dafür auch noch Geld.

Für den Transport einer Person werden mit dem Auto die meisten Energien verbraucht, erheblich weniger mit dem Bus, noch weniger mit der Bahn, sehr wenig werden beim Gehen und am weitaus am wenigsten werden Energien beim Fahrradfahren verbraucht. Und wieviel Energie wird aufgewendet, um ein Auto herzustellen und wieviel Müll und Schadstoffe entstehen dabei. Ein einziges Autoleben (bei 1000 – 2000 Bettriebsstunden) verschlingt so viel Energie wie ein Deutscher ohne Auto in knapp 6 Jahren zum Leben braucht (Heizung, Strom und Transporte inklusive). Ein Inder käme damit sogar 76 Jahre aus.

Um das Radfahren attraktiver zu machen gilt es, ein fahrradfreundliches (kommunales und überregionales ) Klima zu schaffen: eine Atmosphäre der gegenseitigen Rücksichtnahme, die das tägliche Miteinander im Straßenverkehr erleichtert und reizvoll macht. Diese könnte die Bevölkerung geradezu auffordern, sich mit dem umweltfreundlichen Verkehrsmittel Fahrrad zu bewegen. Jeder kann seinen Beitrag dazu leisten:

o Die Verwaltung durch Bereitstellung eines durchgängigen und sicheren Radwegenetzes, so dass alle wichtigen Zielpunkte eines Ortes sicher und bequem erreicht werden können.
o Autofahrer parken in Zukunft nicht mehr auf Radwegen und nehmen besondere Rücksicht auf Radfahrer und Fußgänger. Es entstehen bekanntlich beim Abbiegen immer wieder gefährliche Situationen.
o Radfahrer nehmen Rücksicht auf Fußgänger, insbesondere auf unsichere Personen wie kleine Kinder und ältere Menschen.
o Nicht nur zum eigenen Schutz sollten die Radfahrer (Eltern sind für ihre Kinder verantwortlich) ihre Räder in technisch einwandfreiem Zustand halten. Besondere Bedeutung kommt der Lichtanlage zu – und diese sollte wirklich eingeschaltet sein! Erfreulich ist, dass in letzter Zeit vor allem Kinder mit Helm fahren. Aber auch die Köpfe der Erwachsenen sind wertvoll, diese sollten mit gutem Beispiel vorangehen und sich mit einem knitterfreien Hut schützen.

Radfahrer erfreuen sich guter Gesundheit, haben weniger Fehltage durch Krankheit und kommen wach und entspannt am Ziel an. Orthopäden empfehlen das Radfahren, weil es die oft überlasteten und geschädigten Kniegelenke entlastet – und so schmerzfreie Fortbewegung ermöglicht. Radfahren fördert nicht nur körperliche, sondern auch geistige Fitness. Lasst uns also weiterhin mit gutem Beispiel „voranfahren“, um andere dazu zu bewegen, mitzufahren. Es spart eine Menge Geld und viele Stunden im Fitnessstudio. RadfahrerInnnen sind keine besseren Menschen – sie haben nur das bessere Fahrzeug.

Mein Freund Werner Stiffel hat einmal geschrieben: „Das zu Ende gehende Zeitalter war gekennzeichnet durch Leistung, Geschwindigkeit, Komfort, Prestigedenken und uneingeschränkte Mobilität, das Symbol hierfür war das Auto. Das kommende Zeitalter wird gekenntzeichnet sein durch Leben im Einklang mit der Natur, sanfte Technik, Gefühl für die Bedürfnisse des Körpers und Freude am Naheliegenden, das Symbol hierfür ist das Fahrrad.
Gotthelf Kern