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Von Elterntaxen und anderen Ignoranten

Von Elterntaxen und anderen Ignoranten

Wer gefährliches Verhalten studieren möchte, der stelle sich kurz vor Schulbeginn an die Schillerschule und staune. Die Schillerstraße ist der wichtigste Schulweg zur angrenzenden Grundschule und ein wichtiger Weg zu den weiterführenden Schulen. Das Verhalten jener Eltern und Großeltern, die ihre Sprösslinge mit den Vehikeln zur Schule fahren, vor denen sie sie auf ihrem Schulweg schützen wollen, ist mit erstaunlich sehr wohlwollend umschrieben. Damit die eigenen überbehüteten, oft pummeligen (Enkel-)Kinder vermeintlich sicher zur Schule gelangen, wird dort täglich ein gefährliches Chaos angerichtet. Parkverbote und Sperrflächen vor der Schule werden missachtet, Gehwege zugeparkt, hektisch rangiert, die Luft mit Abgasen geschwängert, unnötiger Verkehr generiert und dadurch andere Verkehrsteilnehmer gefährdet. Die Zustände vor der Schillerschule (und nicht nur vor dieser Schule), kurz vor Schulbeginn, sind ein Lehrstück in Sachen Egoismus, Gedanken- und Rücksichtslosigkeit. Wann und wie diese Autokinder jemals eigenständig Erfahrungen im Straßenverkehr sammeln dürfen bleibt das ungelöste Rätsel ihrer Eltern. Hinzu kommt, daß mit Einführung der Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h in der Baiertaler Straße viele AutofahrerInnen die Südliche Zufahrtstraße und anschließend die Schillerstraße als vermeintlich schnellste Verbindung zur Heidelberger Straße nutzen. Zu welcher ignoranten Fahrweise diese bereit sind, um, unter Mißachtung von Verkehrs- und Benimmregeln, 10 Sekunden Fahrzeit einzusparen, ist beachtlich.

Für die Stadtverwaltung und eine autoaffine Mehrheit im Gemeinderat scheinen diese Zustände vollkommen normal zu sein. Ebenso für Schulleitung, Lehrer und Eltern der gefährdeten SchülerInnen. Die Freunde und Helfer von der Polizei haben ihre verkehrsüberwachende Tätigkeit leider schon vor vielen Jahren an den Nagel gehängt und einem extrem unwilligen städtischen Ordnungsdienst überlassen. Für diesen stellt die Straßenverkehrsordnung offensichtlich eine Sammlung unverbindlicher Empfehlungen dar.

SchülerInnen brauchen sichere Schulwege. Auf diesen ist weder für Raser noch Elterntaxen Platz. Mit einem entwickelteren Problemempfinden, etwas gutem Willen sowie wenig Geld wäre es ein Leichtes den Anforderungen eines sicheren Schulweges gerecht zu werden. Was uns unser Nachwuchs, aller verbalen Beteuerungen zum Trotz, tatsächlich Wert ist, läßt sich jeden Morgen aufs Neue vor unseren Schulen und dem Weg dorthin bewundern.

Übrigens: Die meisten der 2014 im Straßenverkehr verunglückten Kinder im Alter von 6 – 9 Jahren verunglückten im Auto ihrer Eltern (40,4%, Quelle: destatis)

Andreas Jungmann, Wiesloch