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Verkehrsforum setzt auch auf „unorthodoxe Maßnahmen“

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Verkehrsforum setzt auch auf „unorthodoxe Maßnahmen“

7. Februar 2011

Die RNZ berichtet über die Zwischenbilanz des Verkehrsforums, die Professor Topp am 26.1. im Wieslocher Gemeinderat vortrug.

Verkehrsforum setzt auch auf „unorthodoxe Maßnahmen“
Die Arbeitsgruppe legte dem Gemeinderat einen Katalog von Empfehlungen zur Linderung der Wieslocher Verkehrsprobleme vor

Wiesloch. (oé) Wo heute in Altwiesloch der Verkehr aus allen Richtungen zusammenfließt, war einst der „Freiheitsplatz“, die Ortsmitte Altwieslochs. Diesem Platz möchte das „Verkehrsforum“ wieder einen Namen geben – dies als Signal, dass sich mittel- und langfristig dort etwas ändern muss. Diese Anregung stellte Prof. Hartmut Topp an den Anfang, als er in der jüngsten Ratssitzung die Ergebnisse des Verkehrsforums vorstellte, das seit September 2010 in mehreren Sitzungen Vorschläge für eine Linderung der Wieslocher Verkehrsprobleme erarbeitet hat. Interessierte Bürger sowie Vertreter von Verwaltung, Firmen und Lobbygruppen waren hier zusammengekommen, um die Verkehrsprobleme der Weinstadt zu diskutieren. Dies geschah Topp zufolge auf „sachliche Art“ und mit dem Fokus auf kurzfristige Maßnahmen, deren Umsetzung in den „nächsten drei bis vier Jahren“ auch mit geringen finanziellen Mitteln möglich sein müsste.

Man traf keine Mehrheitsentscheidungen, sondern diskutierte solange, bis ein Konsens gefunden war. So kamen die 15 Empfehlungen zustande, die dem Gemeinderat jetzt vorgelegt wurden. Ein Schwerpunkt lag dabei auf Altwiesloch, das nach der Ablehnung einer Umgehungsstraße weiter unter einer hohen Verkehrsbelastung leidet. Hier empfiehlt das Verkehrsforum kurzfristig weitere Querungshilfen in Baiertaler und Dielheimer Straße – keine Fußgängerbrücke, so Topp, „das wäre kontraproduktiv“ mit Blick auf die erwünschte Beruhigung und Verlangsamung des Verkehrs. Auch die Feinstaub-Messstation soll in Altwiesloch wieder eingerichtet werden. Gerade bei der Tempo-Minderung will das Verkehrsforum neue Wege gehen:etwa mit einem Modellversuch, Tempo 30 in der ganzen Stadt zur Regelgeschwindigkeit zu machen und davon nur „begründete Ausnahmen“ zuzulassen. Neuland betritt man auch mit dem Vorschlag, künftig auf Tempokontrollen ganz zu verzichten und stattdessen auf die Einsicht der Autofahrer zu setzen. „Ein gewöhnungsbedürftiger Ansatz“, wie Topp einräumte, aber einen Versuch wert. Verkehrsexperten hielten einen solchen Modellversuch für „sehr sinnvoll“ und auch die Versicherungswirtschaft zeigte sich seinen Worten zufolge interessiert und könnte sich eine Förderung vorstellen.

Schließlich sollte die Stadt auch Sondierungsgespräche mit dem Verkehrsministerium aufnehmen, um die Chancen auf einen Modellversuch zur Einführung von Straßenmaut in einer Kleinstadt zu eruieren. Hier lohne es sich „mal einen Stein ins Wasser zu werfen“, so Topp.

Zahlreiche Vorschläge machte das Verkehrsforum zu Verbesserung des Radverkehrs in der Stadt (hier hält man neben Sofortmaßnahmen ein umfassendes Radverkehrskonzept für nötig), außerdem empfiehlt man Alternativen im ÖPNV „stärker ins Kalkül zu ziehen“ – „alles, was unterhalb des klassischen Linienbusses möglich ist“, so Hartmut Topp, angefangen beim Sammeltaxi bis zum Bürgerbus und der Vermittlung von Fahrgemeinschaften mittels „Smart-Phone“. Weitere Vorschläge beziehen sich auf eine effizientere Parkraumbewirtschaftung außerhalb der Innenstadt, auf die Einrichtung eines „Mobil-Punkts“ in Baiertal (zum Umsteigen von Auto und Rad auf Bus oder Fahrgemeinschaft) und auf die Heidelberger Straße. Hier sollte als Sofortmaßnahme die Schillerpark-Unterführung geschlossen und stattdessen eine Fußgängerampel installiert werden. Der Rat will die Vorschläge nun prüfen.

Quelle: RNZ vom 7.2.2011

110207 RNZ Verkehrsforum setzt auch auf unorthodoxe Maßnahmen

Die Präsentation von Herrn Professor Topp findet Sie auf der städtischen Homepage:
http://www.wiesloch.de/servlet/PB/show/2888916/GR_2011-01-26_praes_verkehrsforum.pdf