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Radler des Monats März: Oliver Scherzinger, Busfahrer aus Bammental

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Radler des Monats März: Oliver Scherzinger, Busfahrer aus Bammental

14. März 2010

Wenn ein Busfahrer zum Radler des Monats wird, ist das schon was Besonderes: Der Bammentaler O. Scherzinger arbeitet bei der SWEG in Wiesloch.

Die ersten Jahre, ab 2001, fuhr Oliver Scherzinger noch mit dem Auto zur Arbeit bei der SWEG. Der frühere Koch – „zur Arbeit nach Gaiberg war ich damals immer mit dem Auto unterwegs“ – fährt seit 2004 mit dem Rad zur Arbeit. Erst hatte sich das auf die Sommermonate beschränkt; perfekte Kleidung trug wesentlich dazu bei, inzwischen das ganze Jahr über von Bammental nach Wiesloch radeln zu können. „Rund 6000 km kommen da im Jahr zusammen. Dazu noch 2000 Freizeit-Rad-Kilometer: Das ist mehr, als ich mit dem Auto zurücklege.“

Er könnte mit dem Bus als Betriebsangehöriger kostenlos fahren – aber von Bammental kommt man nur mit der S-Bahn über Heidelberg nach Wiesloch, und das dauert dann doch länger, als mit dem Rad. Rund 35 Minuten braucht Scherzinger für eine Strecke. Der Neununddreißigjährige fährt, je nach Arbeitszeit, mal auch schon morgens zwischen 3 und 4 Uhr durchs Land, „dann meistens auf den leeren Straßen“. Zu anderen Zeiten benutzt er die Radwege. „Die könnten in Wiesloch besser gepflegt sein. Oft ist es gefährlich, weil Gebüsch Peitschen in den Weg hineinragen oder Laub die Strecke rutschig macht. Und wenn der Weg vereist ist, fährt man auf die Straße, was dann wieder die Autofahrer ärgert.“ Als Bus- und Radfahrer erlebt er ständig aus verschiedenen Blickwinkeln, wie Verkehrsteilnehmer einander gefährden. „Auto- und Busfahrer haben oft kein Gefühl für den notwendigen Abstand, wenn sie Radler überholen.“

Und wie sich „unsichtbare“ Radfahrer selbst gefährden, da verschlägt es ihm oft die Sprache. „Dabei kostet eine Warnweste nur einen Euro!“ Dass er sich nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen ein hochwertiges, wartungsarmes Rad mit einer 80-Lux-Beleuchtung und einer Rholoff-Nabenschaltung zulegte, war Voraussetzung für die Entscheidung, mit dem Rad zur Arbeit zu kommen. „Sicherheit ist das eine. Das Rad muss aber auch zuverlässig sein. Ich muss nämlich absolut pünktlich unterwegs sein.“ Oliver Scherzinger erzählt, dass er auf dem Rad oft die besten Entscheidungen trifft: „Ich glaube, ich werde beim Radeln einfach kreativ!“ Sein Weg führt ihn immer auch durchs Altwieslocher Nadelöhr, das er zudem als Busfahrer bestens kennt. Er meint, der Verkehr sei in den letzten Jahren etwas zurückgegangen: „Es kommt viel seltener zu Verspätungen durch Altwiesloch-Staus“. Als Busfahrer wie als Radfahrer erlebt er oft auch die Bequemlichkeit von Autofahrern: „Man sieht sie vor einem Geschäft einsteigen – und 100 m weiter halten sie wieder an.“

Dass der Bammentaler auch seinen Geldbeutel schont – bei 6000 km kann sich das jeder ausrechnen – ist ein schöner Nebeneffekt. Im Mittelpunkt steht aber das Wohlfühlen.

Radler des Monats März: Oliver Scherzinger, Busfahrer aus Bammental

Radler des Monats März: Oliver Scherzinger, Busfahrer aus Bammental