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Plädoyer für das Verkehrsforum

Plädoyer für das Verkehrsforum

Die RNZ berichtete am 12.3. über das Plädoyer von MOVE.

Plädoyer für das Verkehrsforum

Verkehrsinitiative Move setzt sich für eine Fortsetzung ein – Hoffen auf „Bekenntnis des Gemeinderats“.

Wiesloch. (oé) In drei Arbeitssitzungen hat das Wieslocher Verkehrsforum im vergangenen Herbst und Winter die Verkehrsprobleme der Weinstadt diskutiert und Lösungsansätze erarbeitet. Moderator des Gremiums, das sich aus Bürgern und den Vertretern von Verwaltung, Firmen und Interessengruppen zusammensetzte, war der Verkehrsexperte Prof. Hartmut Topp. Ende Januar hat er die Ergebnisse der Arbeitsgruppe im Gemeinde_
rat präsentiert (die RNZ berichtete). In der kommenden Ratssitzung sollen die Stadtväter nun nicht nur über die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen entscheiden, sondern auch darüber, ob und wie
das Verkehrsforum fortgesetzt wird.

Ginge es nach der Verkehrsinitiative „Move“, die ebenfalls im Verkehrsforum Mitgearbeitet hat, dann wäre
die Antwort klar: „Move“ plädiert klipp und klar für eine Fortführung des Verkehrsforums. Dies zunächst einmal, weil das Gremium wichtige Themen aus Zeitmangel bislang noch gar nicht behandeln konnte.

Das gilt vor allem für den täglichen Verkehr zu Schulen und Betrieben, von dem ein Großteil der Belastung herrührt. Hier täte ein schulisches und betriebliches Mobilitätsmanagement Not. Vor allem erhofft man sich bei der Verkehrsinitiative „Move“ nun jedoch ein „Bekenntnis des Gemeinderats“, permanent am Thema Verkehr weiterarbeiten zu wollen. Gerade Altwiesloch brauche diese Aufmerksamkeit, so Move-Sprecher Wolfgang Widder. „Man kann nicht die Umgehung ablehnen und sagen, jetzt haben wir kein Geld mehr, jetzt ist
Schluss.“ Zumal schnelle Erfolge „im Hauruckverfahren“ kaum möglich seien.

Gerade das Verkehrsforum mit seiner stärkeren Form der Bürgerbeteiligung kann aus Widders Sicht neue Impulse setzen. Und zwar über das hinaus, was die Verkehrsinitiative „Move“ bereits erreicht hat. Seinen Worten zufolge hat „Move“ den Menschen eine Art „Training“ in Sachen Verkehr und Mobilität angeboten und mit seinen „bescheidenen Mitteln“ auch „zu gewissen Einsichten und partiellen Verhaltensänderungen geführt“. Mit freiwilligen Angeboten und Appellen allein bleibe der Einfluss jedoch begrenzt, so die Erfahrung der „Move“-Aktivisten. Ihrer Meinung nach muss man deshalb nun auch Maßnahmen in den Blick nehmen, die „weh tun“ können (so Gerhard Gebhard).

Eine solche Maßnahme wäre die vom Verkehrsforum vorgeschlagene Parkraumbewirtschaftung außerhalb der Innenstadt. Wo die Stadt „für gutes Geld“ neue Parkplätze geschaffen hat (wie etwa im Bahnhofsbereich), muss nach Meinung der Move-Mitglieder auch über Parkgebühren nachgedacht werden können. Dabei geht es nicht um horrende Beträge oder „Abzocke“ (so Conny Emegwele), sondern um die Chance, Geld einzunehmen, mit dem sich Verkehrsalternative gegenfinanzieren ließen.

Noch mehr Brisanz birgt der Vorschlag des Verkehrsforums, die Einführung einer „City-Maut“ zu sondieren. Eine solche Maßnahme wäre sicherlich nur schwer umzusetzen, da gibt man sich bei „Move“ „keinen Illusionen“ hin. Warum aber sollte man einen solchen Prozess „nicht wenigstens in Gang setzen“, lautet die Frage. Dabei müsste eine Maut auf die frühen Morgenstunden an Schulwerktagen beschränkt bleiben. Und auch verschiedene Modelle
der Umsetzung wären denkbar – etwa eine freie Durchfahrt für Fahrgemeinschaften.

Ein weiteres Modellprojekt ergibt aus Sicht der Verkehrsinitiative für Wiesloch ebenfalls Sinn. Es handelt sich um die Einführung eines neuartigen Systems einer gemeinsamen Pkw-Nutzung, bei der Mitfahrgelegenheiten in „Echtzeit“ über Handy, Smart-Phone oder Navigationsgerät vermittelt werden können („flinc“). Wolfgang Widder sieht dieses Verfahren als „großen Bruder“ der Zusteiger-Mitnahme, wie sie „Move“ bereits praktiziert hat – jedoch ohne deren Nachteile. So muss sich niemand mehr mit einem Schild an die Straße stellen, um mitgenommen zu werden. Das war für viele „eine zu hohe Schwelle“, erklärt Evelyn Hiedell-Müller. Zudem spräche „Flinc“ als „sehr moderne Art der Mitfahrzentrale“ vor allem auch jüngere Menschen an, so Conny Emegwele. All diese Vorschläge könnten sich nach Überzeugung der „Move“-Mitglieder vor allem auf die Verkehrsbelastung Altwieslochs positiv auswirken. Dort wenigstens in den Morgenstunden eine Verbesserung zu erreichen, ist für Wolfgang Widder „der Prüfstein“.

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