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Move: Ein Projekt nimmt Fahrt auf

Move: Ein Projekt nimmt Fahrt auf

Originelle Ideen für weniger Vekehr – „Zusteiger-Mitnahme“ als einmaliges Angebot

Quelle: Wochenkurier vom 9. Juli

Wer von Dielheim, Neckargemünd oder Mauer Richtung Walldorf ins Industriegebiet oder in Wiesloch auf die Autobahn fährt, kennt das Nadelöhr in Altwiesloch und die Staus in den Hauptverkehrszeiten. Das vom Land Baden-Württemberg und der Stadt Wiesloch finanzierte Projekt „move“ (Mobilität bewahren und Verkehr sparen) will mit einer Reihe von „weichen Maßnahmen“ das Verkehrsaufkommen, Lärm, Abgase und Feinstaub so vermindern, dass den Anwohnern ebenso wie den Verkehrsteilnehmern geholfen wird. Unter der Leitung des Wieslocher Diplom-Psychologen Wolfgang Widder wurden Gruppen gebildet, die sich mit den Verkehrsproblemen in Wiesloch und Dielheim, den Schulen und großen Industriebetrieben beschäftigen.

Neben kleineren Maßnahmen zur Verbesserung des Nahverkehrs, der Optimierung der Schülerbeförderung, der Organisation von Abfahrtspunkten für gemeinsames Radfahren, gibt es drei große Projekte, an denen sich alle beteiligen können, die Altwiesloch durchfahren. Mit der Aktion „4 statt 5“ verpflichten sich die Verkehrsteilnehmer freiwillig, einmal pro Woche auf ihr Auto als „Ein-Personen-Fahrzeug“ zu verzichten. Alternativen wie Fahrrad, Öffentlicher Nahverkehr oder Fahrgemeinschaften sind frei wählbar. Langfristiges Ziel ist es, das eigene Fahrverhalten auf umweltschonende und gleichzeitig oft preiswertere Alternativen zu überprüfen. Vierteljährlich werden unter den Teilnehmern attraktive Preise verlost.

Weiterhin wurde im Internet eine „Regionale Mitfahrzentrale“ eingerichtet. Die Mitfahrgelegenheiten können regelmäßig oder einmalig sein, die Strecken in der Nähe liegen oder beliebig weit weg. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Das wichtigste und in der Ausgestaltung einmalige Angebot ist die „Zusteiger-Mitnahme“. Wahrend beim Trampen beide Seiten anonym bleiben, sollen bei diesem System alle Beteiligten bekannt sein.

Widder greift mit seinen Vorschlägen bereits praktizierte Maßnahmen aus anderen Regionen in Deutschland auf. Er hat sich gründlich damit beschäftigt, Schwachpunkte analysiert und ausgeräumt. Was die Vorschläge von Wolfgang Widder so interessant machen, ist seine Idee, gewohnte Mobilität nicht aufzugeben, sondern durch Nachdenken, Planen und Kooperation zeitweise auf andere, manchmal sogar schnellere, Verkehrsmittel umzusteigen und den eigenen Wagen ökonomischer einzusetzen. Die kühnste Idee von Wolfgang Widder ist, Autos zu teilen und zu tauschen: Nachbar A hat ein Elektroauto für den Stadtverkehr, B einen Van für die ganze Familie und C einen schnellen BMW für Fernfahrten. Ein Tausch würde, bei gleichzeitiger Senkung der Kosten, sogar die Nutzungsmöglichkeiten und den Komfort erhöhen.

Die Hauptschwierigkeit liegt darin, dass der Einzelne liebgewonnene Gewohnheiten überwinden muss. Ständig steigende Benzinpreise könnten dazu beitragen, dass sich der eine oder andere doch von den Vorteilen von „Move“ überzeugen lässt. Dazu steht ihm die Homepage www.move21.de zur Verfügung. Dort kann er sich auch an der Aktion „4 statt 5“ beteiligen, für die „Zusteiger-Mitnahme“ registrieren lassen oder den kostenlosen Newsletter abonnieren, der über alle Aktionen informiert. Fahrgemeinschaften werden direkt über www.mifaz.de/wiesloch vermittelt.
Die Resonanz auf die verschiedenen Angebote war bisher recht unterschiedlich. So wird die Linie 702 des ÖPNV (Wiesloch-Walldorf, Dielheim, Mühlhausen, Rot) nach einer Zählung deutlich stärker genutzt und in der eingerichteten Mitfahrzentrale sind 40 Verbindungen registriert worden. Nicht so richtig angesprungen ist die „Zusteiger-Mitnahme“. Bisher haben sich 210 Personen gemeldet, die beim „organisierten Trampen“ mitmachen wollen. Damit das System funktioniert, wären nach Berechnungen von Widder aber mindestens 400 notwendig. Erfolgreich war man in den kleinen Dingen. In zehn Projektgruppen hat man viele Einzelvorschläge erarbeitet und auch bereits durchgesetzt. Dazu gehören die Einrichtung einer Fahrgemeinschaft für Baiertaler Schüler, die mit dem Fahrrad ins Wieslocher Schulzentrum fahren, und der Vorschlag, Elternhaltebuchten und Kurzparkbuchten in der Parkstraße vor dem Gymnasium einzurichten. Nach Meinung der Organisatoren ist move in den Köpfen angekommen, es hapere aber noch mit der konkreten Umsetzung.
Anton Ottmann