Bild_kopf
Move funktioniert nur, wenn viele teilnehmen

Move funktioniert nur, wenn viele teilnehmen

Großes Interesse an der Auftaktveranstaltung von „Mobilität bewahren, Verkehr sparen“ in Altwiesloch – Mehrere Maßnahmen

Quelle RNZ vom 9.02.08
Von Anton Ottmann

Wiesloch. „Move ist ein ganz großes soziales Experiment“ kündigteWolfgang Widder bei der Auftaktveranstaltung im Bürgerhaus Altwiesloch an. Ein Aussage, die zuerst einmal skeptisch macht. Soll die Belastung der Bewohner in Altwiesloch durch Lärm, Abgase und Feinstaub mit moralischen Appellen wie „der Umwelt zuliebe auf Fahrrad und ÖPNV umsteigen“ reduziert werden? Der Wieslocher Diplom Psychologe Wolfgang Widder, bekannt durch die er folgreiche Organisation von Kultur Events wie „Ein Buch im Dreieck“, beschreitet einen ganz anderen Weg. Erfordert alle Verkehrsteilnehmer auf, sich Gedanken zu machen, wie sie schneller und kostensparender zur Arbeitsstätte oder Schule kommen können und bietet dazu eine ganze Palette von Möglichkeiten an.
Ganz neue Einrichtungen wie ein „Zusteiger-Mitnahme System“ und eine regionale Mitfahrbörse gehören genauso dazu wie die Verbesserung des Nahverkehrs und des Radnetzes. Wenn dabei auch et was für die eigene Gesundheit getan oder die Umwelt geschont wird, sind das er wünschte Nebeneffekte. Auf jeden Fallsoll es Altwiesloch kurzfristig entlasten, ohne das Fernziel einer Umgehungsstraße aus den Augen zu verlieren. Diese „weichen Maßnahmen“, wie sie OB Franz Schaidhammer bei der Begrüßung bezeichnete, sind schnell zu realisieren und versprechen Erfolg, weil sie die Spitzenbelastungen in Schul und Berufsverkehr reduzieren und damit Staus verhindern.

Nach den VorstellungenWidders sollte jeder Verkehrsteilnehmer einen auf sei ne Bedürfnisse zugeschnittenenWeg erarbeiten und dabei etwas für sich oder andere zu tun. So hat sich OB Schaidhammer spontan und beispielgebend bereit erklärt, sich am Zusteiger Mitnahme System zu beteiligen. Bürgermeister Hans Dieter Weis aus Dielheim will mit dem Fahrrad zum Hospiz in Wiesloch fahren,um dort seine ehrenamtliche Geschäftsführer Tätigkeit wahrzunehmen. Der Baiertaler Ortsvorsteher Karl Heinz Markmann hat vor, bei Dienstreisen nach Stuttgart vom Auto auf die Bahn umzusteigen. Eine wirkliche Entlastung für Altwiesloch kann aber nur erreicht werden, wenn sich viele Verkehrsteilnehmer in irgendeiner Form beteiligen, vor allem auch in den Arbeitsgruppen, die konkrete Maßnahmen erarbeiten. So beschäftigt man sich in Horrenberg Balzfeld, Dielheim, Baiertal, Schatthausen und Altwiesloch mit den lokalen Problemen und es wurden auch schon konkrete Ergebnisse erzielt. So hat man in Horrenberg eine Busanbindung an die neue S Bahn Strecke nach Meckesheim vorgeschlagen.

Die Ortsvorsteherin von Schatthausen, Anneliese Günther, tritt für einen Schnellbus nachWiesloch ein, und in Altwiesloch (Sprecher Dietrich Bajohr) will man eine Beschränkung des Lkw Verkehrs erreichen. Es gibt aber auch Gruppen, die sich mit dem Zielverkehr (Schulen, Heidelberger Druckmaschinen und SAP) oder mit den Verkehrsmitteln (Fahrrad, Pkw, ÖPNV) beschäftigen. Viele Vorschläge wurden schon gemacht, die sich rasch und kostengünstig realisieren lassen. So Abfahrtspunkte für jugendliche Fahrradfahrer, die nicht alleine in die Schule fahren wollen, oder ein Service Telefon für alle Fragen rund um den Nahverkehr (Weis).
Eine besonders wirksame Maßnahme ist das „Zusteiger Mitnahme System“, eine „moderne Form des Trampens“ (Markmann), das sicherer als Trampen ist und eine höhere Flexibilität als eine Fahrgemeinschaft bietet. Die Autofahrer erhalten einen Ausweis, den sie gut sichtbar in das Fahrzeug legen. Auch der Zusteiger hat einen Ausweis und damit verbunden ein Schild, das sein Fahrziel erkennbar macht wie BAI (Baiertal) oder SAP. Mitnahmepunkte sind unter anderem die vor handenen Bus Haltestellen. Registrieren kann man sich über das Internet, Ausweise und Schilder erhält man bei den Sparkassenfilialen. Wie Wolfgang Widder erläuterte, kann dieses System allerdings erst starten, wenn mindestens 400 Autofahrer und 150 Zusteiger mitmachen.

An diesem Abend wurde auch über eine Verkehrszählung berichtet, die die Gruppe „Evaluation“ in der morgendlichen Hauptverkehrszeit von 6.30 bis 8.30 Uhr durchgeführt hatte. Es wurden rund 1600 Alleinfahrer, 400 Pkw mit mehr als einer Person und über 800 Personen in Linien und Schulbussen gezählt. So schlimm die Belastung auch sei – vor allem durch den hohen Anteil an Lkw –, so könne doch festgestellt werden, dass schon bei der Reduzierung dieser Spitzenbelastung um zehn Prozent die Staus sowohl Richtung Baiertal als auch Dielheims abgebaut werden könnten, so Widder. Bürgermeister Erwin Leuthe ergänzte Erfreuliches. Diese Zählung zeige gegenüber früheren eine Verminderung des Pkw Verkehrs zugunsten des ÖPNV, dank der Buslinie 702. Durch die Einführung eines Halbstundentakts in den Morgen und Abendstunden (seit Dezember 2007) erhoffe man sich einen weiteren Entlastungseffekt. Die musikalische Umrahmung gestalteten humorvoll, fetzig und passend „Die Nachtigallen“.

Move funktioniert nur, wenn viele teilnehmen