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Move-Bilanz und Ausblick – Oktober 2009

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Move-Bilanz und Ausblick – Oktober 2009

12. Oktober 2009

Die kompletten Ausführungen von Wolfgang Widder, move-Projektleiter, im GR-Ausschuss der Stadt Wiesloch, zu move-Bilanz und Ausblick, finden Sie hier

„Move-Bilanz und Ausblick

Vorbemerkung und Vorschlag
Move entstand mit dem Ziel „Entlastung für Altwiesloch – jetzt!“. Auch wenn von vorneherein klar war, dass eine angestrebte neue Mobilitätskultur, unabhängig von der anstehenden Umgehungsstraßen-Entscheidung, in der Region allen dient – und auch alle dazu gebraucht werden – ist die Altwieslochproblematik weiterhin ein Schlüssel-Thema.

Mit Blick auf prognostizierte Steigerungen des Autoverkehrs – aber auch ohne diese – ist klar, dass massivere Interventionen notwendig sind. Nicht nur, wenn keine Umgehungsstraße kommen sollte, heißt das, vielfältig anderweitig zu handeln.

Um die Handlungsmöglichkeiten durch Bürger, Politiker, Verwaltungen aller betroffenen Orte zu diskutieren bzw. zu konkretisieren, scheint mir eine Art Verkehrsentwicklungsforum, „Planungszelle“ o.ä., wie es z.B. in Weinheim realisiert wurde, ein wünschenswertes Instrument. Ziel könnte ein Verkehrsentwicklungsplan sein, der die städtischen/regionalen Ziele auch unter Einbeziehung gewisser qualitativer Faktoren bzw. der „weichen“ Dimensionen darstellt und gewissermaßen das städtische Leitbild konkretisiert.
Jetzt aber zur move-Bilanz.

Move-Bilanz
Move kann durchaus darauf verweisen, dass seit der ersten Verkehrszählung und den dazugehörigen Beobachtungen im Dezember 2007 schon eine nennenswerte Verbesserung der Altwieslocher Situation stattgefunden hat: morgendliches Stop-and-Go in der Dielheimer Straße ist so gut wie nicht mehr festzustellen (12/07: oft bis zu 700 m Rückstau); Stop-and-Go in der Baiertaler Straße ist zurückgegangen (von max. ca. 800 m auf selten mehr als max. 350 m, und auch das nur im Zeitfenster 7.15 bis 7.45 Uhr). Diese Verbesserungen dürften zu einem Drittel, vielleicht auch zur Hälfte auf move zurückgehen.

Das ist geschehen, obwohl die absolute Zahl der Verkehrsteilnehmer nicht gesunken ist und auch die Zahl der Fahrzeuge nur unwesentlich geringer ist.

Der Effekt konnte die ersten 9 Monate in 2009 weiter beobachtet bzw. gehalten werden.
Haupteffekt der move-Arbeit ist sicher, wie angestrebt, eine Beeinflussung der Einstellung der Bevölkerung (z.B. durch „Wir sparen eine Million“, Die kleine Rezeptkampagne, die Innenstadt-Radkarte) hin zu umweltverträglichen Mobilitätsformen, wenn auch die Handlungsebene – außer beim sich stetig ausweitenden „Laufenden Schulbus“ – dabei vielfach noch nicht erreicht ist. Das gilt fürs Radfahren (Feierabend-Touren, konkrete Vorschläge der Radgruppe, Aktion für Radkunden mit der Werbegemeinschaft, „Radler des Monats“, Beleuchtungsaktion“) vielleicht stärker wie für die Nutzung des ÖPNV, wenn wir auch hier keine konkreten Zahlen nennen können. Sicher am stärksten gilt es für die Mitnahmebereitschaft auf der Ost-West-Achse. Die Akzeptanz des Zusteiger-Mitnahme-Systems ist hoch, auch wenn die „Zusteiger-Bereitschaft“ weiterhin zu gering ist. Daran ändert auch nichts das offensichtliche Funktionieren des Systems, wenn es denn genutzt wird. Dass sich hier ein Einstellungswandel dennoch beobachten lässt, berichten bspw. Tramper, die andernorts eine viel geringere Mitnahmebereitschaft feststellen. Auf dem Weg, die Alleinfahrerquote zu senken, ist diese Mitnahmebereitschaft nicht zu vernachlässigen.

Festzustellen bleibt allerdings, dass die move-Jahresziele für 2009 – mit 40% des Etats aus dem Jahr 2008 – hierbei keineswegs erreicht werden: Die Erhöhung der ZM-Registrierungen von ca. 500 auf ca. 800 bleibt hinter dem vierstelligen Ziel zurück. (Auch die GR-Quote könnte hier noch gesteigert werden!) Negativer: Die Zahl der tatsächlichen Mitnahmen steigt faktisch kaum. Und ebenso fraglich bzw. negativ: es gelang nicht, die Zahl der Angebote bei der elektronischen Mitfahrzentrale MIFAZ zu erhöhen, geschweige denn, wie angestrebt, zu verdoppeln. Ein weiterer klarer Misserfolg ist in der nicht gelingenden Einbeziehung Jugendlicher zu sehen, trotz Sloganwettbewerb, „jungen“ Registrierern und Werbe-Aktivitäten auf dem Schulhof im Frühjahr. (Dass die First Lego League-Aktivitäten sich gegenwärtig mit SMART MOVE befassen, freut den Projektleiter, ändert daran aber wohl auch nur wenig!)

Ob es sich insgesamt um „typische Anfangsschwierigkeiten auf einem langen Weg“ handelt oder doch gar schon eine gewisse „move-Müdigkeit“ in der Bevölkerung und Öffentlichkeit festzustellen ist, ob das Potential ausgeschöpft ist bzw. die gewählten Strategien korrekturbedürftig sind – das kann ich gegenwärtig schwer abschätzen. Nicht unerheblich für die geringere Unterstützung aus den Aktivenkreisen war 2009 sicher das Ausscheiden von Erwin Leuthe und Gitta Martens-Aly und die Befassung mehrerer Beteiligten mit zwei Wahlkämpfen.

Maßnahmen, die auf den bisherigen move-Bausteinen aufbauen
Move unterstützt die Idee des „Umweltverbunds“. In Bezug auf den „Öffentlichen Verkehr“ sind entsprechende Maßnahmen bekannt: Zusätzlich zu fortgesetzten Bemühungen, ein entsprechendes Bewusstsein in der Bevölkerung zu stärken, geht es um die Verbesserungen im Angebot (z.B. kürzere Taktzeiten), der Qualität z.B. von Haltestellen, Busbevorrechtigungen u.a.

Das Modell midkom (www.midkom.de) wird gegenwärtig geprüft. Es könnte Qualitätsverbesserungen und Kosteneinsparungen für das (dann Bedarfs-orientierte, nicht mehr Linien-)Ruftaxi bieten und kann u.U., wenn gewollt, Grundlage für Bürgerbus-Einrichtungen, weitere Dienste, etwa einen „Senioren-Mobilitäts-Service“ o.ä. ermöglichen.
Beim midkom-Modell zahlen Einzelhändler und andere Adressaten übrigens, wenn Kunden mit dem MIDKOM-Taxi als Ziel bei der Bestellung des Taxis den Einkauf bei Händler X angegeben hatten, einen kleinen Beitrag. (Das Modell ist dem OB sowie dem Hauptamt in Rauenberg bereits vorgestellt; es sollte, wenn die Vorprüfung zu einem positiven Ergebnis kommt, stadtübergreifend realisiert werden)

Auch beim Fahrradverkehr sind fortlaufend Investitionen, wie sie etwa von der move-Radgruppe vorgelegt wurden, notwendig; „Radler des Monats“ u.ä. Aktionen haben dann anderes Gewicht. Vorschläge wie, die Anschaffung von Pedelecs (Fahrräder mit elektrischer Unterstützung) städtischerseits – vielleicht sogar beschränkt auf Baiertaler (auch Schatthäuser?) Bürger – mit einem fixen Zuschuss (50 Euro?) zu unterstützen, sind dann schon spezifisch auf Altwiesloch bezogen. Auch im Dienstfahrrad-Bestand wäre das wünschenswert. Sicher wäre es prinzipiell auch günstig, schon um kontinuierlich das Thema zu verfolgen (Stichwort: nachhaltige Strukturen!), wenn es in Wiesloch eine Art Fahrradbeauftragten (10 Stunden?) gäbe.

Bei der Zielsetzung „Verbesserung des Besetzungsgrads“ im PKW-Verkehr muß es bleiben, auch wenn erkennbar wurde, dass – selbst bei derzeit über 720 Registrierten – ein System wie die „Zusteiger-Mitnahme“ derzeit noch mehr Wirkung als Beitrag zum Nachdenken –gewissermaßen als „Mentales Training“ – hat, wie als echte Verkehrsentlastung, auch wenn die wenigen, die es praktizieren, seine Funktionsfähigkeit auf der Strecke Schatthausen-Wiesloch immer wieder bestätigen. Kleine Versuche, hier mit Anreizen zu arbeiten, wie mit reservierten Parkplätzen für Mehr-Personen-Autos geplant, werden hieran allein auch nichts Entscheidendes ändern, auch wenn sie ein deutliches Zeichen setzen. Spezielle Fahrgemeinschaftsparkplätze (mit Radabstellboxen, wie es jetzt gerade in Rauenberg realisiert wird, auch Walldorf plant dies) – vielleicht nicht nur an der Autobahnausfahrt – sollten hier auch überdacht werden.

Prinzipiell denkbar ist, die Zielsetzung „weniger Alleinfahrer“ zusätzlich noch mit Mitteln zu verfolgen, die weitere Gruppen besser erreichen. Das Handy-/Navi-Modell „flinc“ (www.flinc.mobi) könnte dazu gehören. Das Start up-Unternehmen sucht und prüft gegenwärtig für 2010 Pionierregionen.

Um hinsichtlich der Öffentlichkeitsarbeit in neue Dimensionen vorzustoßen, wird gerade über die Teilnahme an einem Wettbewerb im Rahmen eines bundesweiten Projekts (Slogan: „Kopf an – Motor aus. Für null CO2 auf Kurzstrecken“) versucht, Mittel für eine große Imagekampagne v.a. zugunsten des Rad- und Fußverkehrs zu gewinnen.

Für ÖPNV- und Radverkehr wie auch MIV bzw. Fahrgemeinschaften gilt, dass eine systematische kontinuierliche Verfolgung der zahlenmäßigen Entwicklungen der Anteile an den Verkehrswegen (Modal split) stattfinden sollte – und das mit Bezug auf entsprechende politische Ziele. Mit einem derartigen Vorgehen könnte sich Wiesloch nebenbei durchaus auch politisch als moderne Gemeinde profilieren, auch wenn das mehr ein Nebeneffekt ist.

Vorschlag/Ausblick
Im kommenden Jahr sind – mit oder ohne eine denkbare Ablehnung der vorliegenden Planungen einer Umgehungsstraße – voraussichtlich weitere Akzente in Richtung „weicher Maßnahmen“ im Stil von move zu setzen. Dabei spielt auch die neue SAP-Politik Richtung „Sustainability“, CO2-Minderung eine Rolle. Es könnten dadurch Anstöße und Chancen entstehen, die zur Entlastung Altwieslochs und der ganzen Region beitragen. Dabei geht es nicht nur um eine direkte Minderung der von SAP-Mitarbeitern durchgeführten Autofahrten oder eine Erhöhung der SAP-FG-Quote, sondern noch mehr um den von SAP ausgehenden Modellcharakter und etwaige Chancen, im Sinne von Firmen- und Kommunen-übergreifenden Mobilitätsmodellen auch Verkehr zu reduzieren, ohne Mobilität einzuschränken. Das lässt sich im gegenwärtigen Stadium zwar noch nicht recht abschätzen, sollte aber von der Stadt bzw. von move adäquat beeinflusst bzw. beantwortet werden. Das oben erwähnte MIDKOM-Modell könnte hierbei insofern einen gewissen Beitrag leisten, als es zur Absicherung der sogenannten „garantierten Heimfahrt“ einen einfachen Beitrag leisten würde.

Ich halte es daher für sinnvoll, die Ziele hinsichtlich des Ausbaus des move-Zusteiger-Mitnahme-Systems für 2010 etwas bescheidener zu formulieren und den Akzent, bei Beibehaltung der bisherigen Zielsetzungen und Schwerpunkte, mehr auf eine Art Beratungsfunktion des move-Projektleiters für die Stadt zu setzen.“