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Leserbrief zur Verkehrssituation in Altwiesloch

Leserbrief zur Verkehrssituation in Altwiesloch

Zur Altwieslochproblematik schrieb Wolfgang Widder einen Leserbrief, der sich in der RNZ vom 20.1.18 findet.

Vor ziemlich genau zehn Jahren, im Januar 2008, fand im Bürgerhaus Altwiesloch die Startveranstaltung des vom Land und der Stadt finanzierten Projekts „move“ statt. Als damaliger Projektleiter möchte ich, angesichts der nahezu unveränderten Situation, einige Anmerkungen machen. Schon 2008 (und früher) war allen klar, dass die Situation in Altwiesloch für die Anwohner insbesondere der Dielheimer und Baiertaler Straße kaum erträglich ist.

Move sollte versuchen bzw. prüfen, ob mit einem Bündel an kleinen und größeren „weichen“ Maßnahmen eine gewisse Verbesserung zu erreichen ist. Das ist nicht gelungen, auch wenn sicher einige Dutzend Menschen danach häufiger das Rad oder den Bus zu benutzen begannen oder mehr Fahrgemeinschaften bilden. Wir (fast) alle fahren am liebsten alleine bzw. ohne „Fremde“ mit dem Auto – das „individuelle St. Florians-Prinzip“ ließ die „Zusteiger-Mitnahme“ scheitern.

Einige der zu move-Zeiten diskutierten Ideen wären freilich auch heute noch überlegenswert. Die kürzlich gemessenen hohen Stickoxid-Werte kommen z.T. ja wegen des Stop-and-Go-Verkehrs (vor allem) zur morgendlichen einstündigen Spitzenbelastungszeit, an der der „Elterntaxieffekt“ nicht unwesentlich beteiligt ist. Den Durchgangsverkehr zu verflüssigen, würde eine Pförtnerampel tauglich sein. Sie führt gewissermaßen zu „Zwei-Minuten-Fahrverboten“ – die aber keine wirklichen Zeitverluste mit sich bringen! Der Vorschlag wird übrigens in Fachkreisen auch für die – zugegeben – komplexere Stuttgarter Situation diskutiert.

Die Dielheimer Empörung ist noch in Erinnerung: Aber Dielheim ist inzwischen auch weiter, man hat sogar erfreulicherweise die move-Idee eines kleinen Bürgerbusses realisiert! Ich selbst würde auch nach wie vor eine auf die Morgenstunde zeitlich begrenzte Maut vorschlagen – als Frau Gönner damals mit OB Schaidhammer sprach, lag der Vorschlag mal kurzzeitig auf dem Wieslocher Tisch. Technisch wird so etwas immer einfacher.

Auch der Vorschlag einer Art P+M-Parkplatz am Baiertaler Ortsausgang wurde damals übrigens von der Wieslocher Verwaltung schon wohlwollend diskutiert. Zur Luftbelastung kann inzwischen immerhin gesagt werden, dass sie sicher in 10 Jahren noch weiter reduziert sein wird, wenn mit etwa 20-25% Elektro-PKW gerechnet werden kann. Die Stadt Wiesloch könnte sich bis dahin vielleicht auch schon für elektrisch betriebene Busse, wenigstens für die 707 und die 702, eingesetzt haben, auch wenn das Stadtsäckel… ich weiß. (Einnahmen aus der Maut nutzen?!) Mir ist dabei klar, dass Elektrofahrzeuge in Summe für unsere Welt nicht so etwas Tolles sind: riesiger Rohstoffverbrauch, Entsorgungslawinen etc. Immerhin reduzieren sie bei langsamem Tempo die Lärmbelastungen. In 10-15 Jahren sollte es hoffentlich auch selbstfahrende elektrische Kleinbusse geben, die ebenfalls zur Altwiesloch-Entlastung beitragen mögen.

Schon relativ schnell könnte eine bundespolitische Maßnahme wirken: Die Abschaffung oder wenigstens schrittweise Reduzierung der Dienstwagensubvention, die uns alle jährlich rund 5 Milliarden (entgangene) Steuern kostet. SAP und seine gut bezahlten Mitarbeiter könnten es verkraften.

Dass ich eine Wieder-Aufnahme der Umgehungsstraßenplanungen weiterhin kritisch sehe, wird niemand wundern: Sie beschleunigt den Gesamtverkehr in der Region, wie auch etwa die Mühlhausener Umgehung – bei aller verständlichen Freude der meisten Mühlhausener selbst – natürlich dazu beiträgt, die Verkehrsbelastung in der Region um Wiesloch zu erhöhen. Wenn etwa ein SAP- oder HDM-Mitarbeiter mit seiner Familie schneller von Michelfeld oder Waldangelloch aus zur Arbeit fahren kann, baut er oder sie dort eben auch lieber sein Häuschen.

Dass die Altwieslocher sich, in entsprechender, ja noch heiklerer Situation wie Mühlhausen, für eine Umgehungsstraße einsetzen, ist natürlich mehr als verständlich. Vielleicht hülfen auch autofreie Sonntage, wie ich sie ihnen 2011 vorschlug, das Thema dauerhaft in den Blickpunkt zu stellen – und dabei vielleicht auch die eine oder andere „weiche“ Maßnahme zu diskutieren oder gar auszuprobieren!