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Leserbrief Wolfgang Widder

Leserbrief Wolfgang Widder

Zu den Umgehungsstraßenplanungen für Altwiesloch nimmt move-Projektleiter Wolfgang Widder in einem Leserbrief Stellung.

Altwiesloch, move, Umgehungsstraßenplanungen: Einige Thesen

Viele Altwieslocher sind immer noch an vielen Stunden der Schulwerktage mit schwer erträglichem Verkehr geschlagen. Daran hat auch das Projekt move kaum etwas geändert, auch wenn der Rückgang der morgendlichen Stausituation in der Dielheimer Straße, schon vor Beginn der Wirtschaftskrise, sicher durch verschiedene Faktoren bedingt, erstaunlich ist. Die Zusteiger-Mitnahme, das System abgesicherten Trampens, kann man nun, nach eineinhalb Jahren, als Erfolg oder Misserfolg sehen: Wer es (auf der Ost-West-Achse) praktiziert, erlebt den Erfolg = es funktioniert. Aber da es nach wie vor nur ganz wenige praktizieren, ist es in einer gewissen Weise auch (noch ?) nicht erfolgreich. Ohne Frage haben die Aktivitäten von move – und dabei gerade auch die Diskussion des Modells „Zusteiger-Mitnahme“ – aber vielen Menschen die Problematik des „Alleinfahrens“ vor Augen geführt.
Ich will meine Gesamteinschätzung in Form einiger – zum Teil sicher nicht neuer – Thesen formulieren:

1. Es ist nicht wirklich einschätzbar, wie sich in den nächsten dreißig, vierzig Jahren die wirtschaftliche Situation, verkehrstechnologische Innovation, der Benzinpreis entwickeln werden. Auch die Auswirkungen des sicheren demografischen Wandels (sinkende Schülerzahlen, steigende Frauen- und Seniorenmobilität) sind nicht genau zu beurteilen.

2. Bewusstseinsbildung und individuelle Handlungsänderungen allein werden Nadelöhre wie Altwiesloch nicht ausreichend entschärfen können. Es müssen Maßnahmen dazu kommen, die den Rad- und Busverkehr und das Auto mit drei oder mehr Insassen (=Umweltverbund) wirksam bevorteilen.

3. Ausbau und Bevorrechtigung des „Umweltverbunds“ allein werden auch nicht ausreichen: Sie schaffen letztlich Platz für weiteren „Individual-“ bzw. Autoverkehr. Die „Alleiner“ kommen wieder schneller durch. Also führt kein Weg daran vorbei, das Nadelöhr Altwiesloch so zu gestalten, dass der Durchfluß (von 1-Personen-Autos) insgesamt verlangsamt wird. Es wäre ohnedies eine Überlegung wert, ob Wiesloch als „Slow City“ der Gelassenheit und Lebensfreude nicht ein positives Leitbild bekäme. Mindestens das „slo“ steht ja schon mitten im Namen! Gut, das ist sicher nicht mehrheitsfähig…Selbst Tempo 30 ist ja für viele immer noch ein Feindbild. Es ist an dieser Stelle auch noch daran zu erinnern, dass Beschleunigungsmaßnahmen im Gesamtsystem in die Irre führen: „Eine Umgehungsstraße ist die Mutter der nächsten“. Das RP stellte ja selbst fest, welch hohen Preis z.B. Baiertal für eine Umgehungsstraße bezahlen wird.

4. Eine Umgehungsstraße, wenn sie denn kommt, wird sicher nicht vor 2017 oder 2020 kommen. Dazu keine These, sondern ein Vorschlag: Wieslochs Gemeinderat sollte sich und damit der Verwaltung das Ziel vorgeben, bis dahin (und vielleicht sogar darüber hinaus) durch wirksame Maßnahmen aller Art eine jährliche Absenkung der durch Altwiesloch fahrenden PKW um mindestens 500 Fahrzeuge pro Tag zu erreichen. Zugegeben, ein hohes Ziel, das angesichts der Finanzlage der Stadt besonders utopisch erscheinen mag. Aber es würde sich lohnen, dafür (gesellschaftliche, landespolitische, EU-) Unterstützung zu suchen.

Wolfgang Widder, Silvanerweg 9, Wiesloch