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Kommentar: Zeitenwende

Kommentar: Zeitenwende

Kommentar

Quelle: Sonderseite der Rhein-Neckar-Zeitung vom 26. Juni 08

Von Anton Ottmann

In den zurückliegenden Jahrzehnten ist in Deutschland das eigene Auto zum Inbegriff von Freiheit und Komfort geworden. Wir konnten es uns leisten, in individueller Mobilität zu schwelgen. Wenn wir der Bevölkerung von Indien und China das gleiche Recht zubilligen, werden wir innerhalb weniger Jahre in Abgasen ersticken, das Erdöl geht noch früher aus und die Rohstoffe zur Produktion der Pkw auch. Es reicht aber schon ein Blick auf die ständig steigenden Benzinpreise und die Staus auf unseren Autobahnen und im regionalen Bereich, um zu erkennen, dass sich die Zeiten ändern.

Was die Vorschläge von Wolfgang Widder so interessant macht, ist seine Idee, gewohnte Mobilität nicht aufzugeben, sondern durch Nachdenken, Planen und Kooperation zeitweise auf andere, manchmal sogar schnellere,
Verkehrsmittel umzusteigen und den eigenen Wagen ökonomischer einzusetzen. Die kühnste Idee von Wolfgang Widder ist, Autos zu teilen und zu tauschen: Nachbar A hat ein Elektroauto für den Stadtverkehr, B einen Van für
die ganze Familie und C einen schnellen BMW für Fernfahrten. Ein Tausch würde, bei gleichzeitiger Senkung der Kosten, sogar die Nutzungsmöglichkeiten und den Komfort erhöhen, vorausgesetzt, wir würden unsere „Liebesbeziehung“ zum Auto aufgeben und es nur noch als Transportmittel sehen.

Das Projekt „Move“ ist mehr als der Versuch, den Verkehr in Altwiesloch zu reduzieren. Es ist ein Modell, wie ohne ideologische Grabenkämpfe, Pkw, Fahrrad, Bus und Bahn intelligent genutzt und verknüpft werden, zum Nutzen des Einzelnen und der Allgemeinheit. Es verlangt allerdings vom Bürger, Kontakte zu knüpfen, sich um Alternativen zu kümmern und nicht an eingefahrenen Gewohnheiten festzuhalten.