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Jetzt kommt Bewegung in die Mobilitätskultur

Jetzt kommt Bewegung in die Mobilitätskultur

Quelle Wochenkurier vom 13.2.08

MOVE soll helfen, Verkehr zu sparen – Mitfahrzentrale Teil des neuen Konzeptes

Zur Auftaktveranstaltung von „MOVE – Mobilität bewahren, Verkehr sparen“ drängte sich die Bevölkerung beinahe ebenso im Altwieslocher Bürgerhaus wie die Autos morgens auf der Dielheimer Straße. Etwa 120 Interessierte waren am Abend des 7. Februar zusammengekommen, um sich die Verkehrspläne der Projektinitiative MOVE erläutern zu lassen. Denn MOVE verspricht Abhilfe für die Leid tragenden Altwieslocher Anwohner, die allmorgendlich zwischen 7 und 8 Uhr eine Blechlawine durch ihren Ort kriechen sehen. Neben den Altwieslochern interessierten sich natürlich auch zahlreiche Schatthäuser, Baiertaler, Dielheimer und Balzfelder für den Info-Abend zum Straßenverkehr – eben alle, die sich morgens acht bis zehn Minuten lang durch den Verkehrsknotenpunkt an der Zusammenführung der Baiertaler und Dielheimer Straße quälen müssen.

Auch die Polit-Prominenz der Region war zugegen. Wieslochs Oberbürgermeister Franz Schaidhammer begrüßte das Publikum und seine Kollegen, Bürgermeister Hans-Dieter Weis aus Dielheim, Günter Hemmerich, Erster Stellvertretender Bürgermeister der Stadt Rauenberg, Schatthausens Ortsvorsteherin Anneliese Günther und Baiertals Ortsvorsteher Karlheinz Markmann nebst Wieslochs Verkehrs-Bürgermeister Erwin Leuthe. Die Wieslocher Verkehrsplanung hat einen gesetzlichen Bezug zu verwaltungspolitischen Aufgaben: Laut BundesImmissionsSchutzVerordnung von 2002 darf die kurzzeitige Feinstaubbelastung nur an 35 Tagen im Jahr 50 µg pro Kubikmeter überschreiten. Am Spot-Messpunkt Baiertaler Straße war dies im Jahr 2007 aber an 49 Tagen der Fall. Die Stadt muss also gemeinsam mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe einen Aktionsplan zur Luftreinhaltung erstellen. Dazu könnten als letztes Mittel Fahrverbote gehören. Wiesloch will aber über das von Stadt und Land finanzierte Projekt MOVE einen anderen Weg gehen und setzt auf eine freiwillige Verhaltensänderung der Verkehrsteilnehmer. „Wir wollen nicht warten, bis etwas verboten wird, sondern jetzt handeln!“, sagte Brigitta Martens-Aly, eine der Initiatorinnen des Projektes.

Um Ziele erreichen zu können, wurden diese von MOVE erst einmal definiert. Die Anzahl der Pkw, die die Dielheimer Straße zwischen 6.30 und 8.30 Uhr passieren, soll um zehn Prozent sinken. Damit sollen die Rückstaus an Werktagen zeitlich und in der Länge erheblich reduziert werden. Gleichzeitig wird sich die KFZ-bedingte Feinstaub- und Lärmbelastung verringern. Und weil man Verkehrsteilnehmer nicht einfach von der Straße verbannen kann und will, soll der Besetzungsgrad der Fahrzeuge um etwa zehn Prozent erhöht werden. Vom Einzelfahrer zum Mitfahrer, vom Autofahrer zum Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs, vom Automobilisten zum mobilen Radfahrer – die Initiative möchte Bewegung in die Mobilitätskultur bringen.

In der Umsetzung befindet sich eine Mitfahrzentrale, die Fahrgemeinschaften organisiert (unter www.mifaz.de/wiesloch im Internet). Ein Mitnahme-System verspricht weitere Transportmöglichkeiten. Dabei lassen sich Fahrer und Mitfahrer zuvor registrieren und holen sich bei einer Sparkassenfiliale rund um Wiesloch ein Teilnehmerschild. Darauf zeigt eine Buchstabenkombination wie BAI oder SAP deutlich sichtbar den Zielort. Diese Aktion kann allerdings nur starten, wenn 400 Fahrer und 150 Mitfahrer daran teilnehmen möchten. Weiterhin ist ein Bürgerbus oder Taxi-Abo angedacht. Die Initiative „Vier statt fünf“ will Verkehrsteilnehmer zumindest an einem Werktag in der Woche mobile Alternativen ausprobieren lassen. Wie das funktionieren kann, erläuterten die politischen Funktionsträger am eigenen Beispiel: „In meinem Ehrenamt als Geschäftsführer des neuen Hospizes in Wiesloch werde ich zu den Sitzungen, wenn immer möglich, mit dem Fahrrad fahren“, erklärte Dielheims Bürgermeister Hans-Dieter Weis. Baiertals Ortsvorsteher Karlheinz Markmann, von dem auch die Idee eines Mitnahme-Systems stammt, verwies auf seine Bahnfahrten zur Zentrale seines Arbeitgebers in Stuttgart. Schatthausens Ortsvorsteherin Anneliese Günther hat sich vorgenommen, zu den Gemeinderatssitzungen gemeinsam mit einem Kollegen zu fahren. Und auch OB Schaidhammer will an Tagen ohne Auswärtstermine öfter mal das Fahrrad nutzen.

Wie geht es nun weiter? In der ersten und zweiten Phase des neuen Konzeptes wird MOVE die Verkehrsteilnehmer befragen, um die individuellen Bedürfnisse in das Konzept einbinden zu können. Vor allem Schüler und Berufstätige stehen im Fokus des Interesses. Eine Befragung der Wieslocher Schüler steht schon kurz vor der Auswertung. Die Initiative wollte wissen, wie der Busverkehr ausgerichtet sein müsste, damit Schüler ihn nutzen und unter welchen Umständen sie Fahrrad fahren würden statt sich von den Eltern zur Schule fahren zu lassen. Fahrgemeinschaften zur Arbeitsstelle und zur S-Bahn könnten ebenfalls eine deutliche Entlastung bringen. „MOVE ist ein soziales Projekt, das gemeinsam entsteht und seine Zeit braucht“, erklärte Projektleiter Wolfgang Widder. „Es steht und fällt mit der Mitarbeit der Bevölkerung.“ Wer Interesse am mobilen Leben in und um Wiesloch hat, kann sich auf der Homepage www.move21.de informieren oder den MOVE-Projektleiter Wolfgang Widder, Silvanerweg 11, 69168 Wiesloch, kontaktieren.

Jetzt kommt Bewegung in die Mobilitätskultur – Artikel Wochenkurier 13 Febr 08