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Heidelberg hat „rote Ampel“ – und Wiesloch?

Heidelberg hat „rote Ampel“ – und Wiesloch?

Die RNZ berichtet über eine VCD-Kritik an der Situation für Fußgänger in Heidelberg. Und wie sieht es denn in Wiesloch aus?

Die RNZ vom 17.9. berichtet ausführlich über eine VCD-Studie zur Situation der Fußgänger in Heidelberg. Wir fragen uns: Wie sieht es denn in Wiesloch aus? Wer hätte Interesse, das mit der Wieslocher Ortsgruppe des VCD, mit move, genauer zu untersuchen?

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Hier der Text der RNZ:

Heidelberg hat eine „rote Ampel“ Laut einer VCD-Studie schneidet die Stadt bei der Fußgängersicherheit schlecht ab – Polizei und Verwaltung widersprechen
Von Holger Buchwald

Die Heidelberger Fußgänger leben gefährlich – wenn man einer aktuellen Studie des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) glaubt. Deren Autoren haben die Sicherheit von Fußgängern in allen 80 deutschen Städten über 100 000 Einwohnern untersucht und die Unfallstatistiken von 2009 bis 2013 miteinander verglichen (siehe Hintergrund). Demnach gehört Heidelberg zu den 41 Städten, die auf der Deutschlandkarte des VCD mit einer „roten Ampel“ markiert worden sind. Will heißen: Hier herrscht Handlungsbedarf, da die Zahl der verunglückten Fußgänger in den letzten fünf Jahren tendenziell zugenommen hat.

Betrachtet man die Heidelberger Zahlen im Detail, sehen diese nicht mehr ganz so dramatisch aus. Zwar gab es im Jahr 2009 „nur“ 72 verunglückte Fußgänger und im letzten Jahr 76. Im Vergleich zum Vorjahr (82) ist der Wert sogar gesunken. „Wir können keine besorgniserregenden Entwicklungen in Heidelberg feststellen“, sagt daher auch Polizeisprecher Dieter Klumpp. Die Zahlen seien ziemlich konstant.

„Der Anteil der Fußgänger am Unfallgeschehen beträgt in Heidelberg nur rund drei Prozent“, versucht auch Jürgen Kuch, stellvertretender Leiter des städtischen Amts für Verkehrsmanagement, zu beruhigen. Dabei würde rund ein Viertel der innerstädtischen Wege zu Fuß zurückgelegt – und das sei im Vergleich zu anderen Städten ein sehr hoher Wert. Noch am häufigsten verunglückten die Leute beim Überqueren der Straße. Es gebe aber keinen Unfallschwerpunkt. Kuch: „Ich sehe keine Stelle, an der es besonders brenzlig wäre.“

Gerade wegen der hohen Bedeutung des Fußgängerverkehrs bemühe sich die Stadt trotzdem seit Jahren um eine kinderfreundliche Verkehrsplanung, betont Kuch: „Wenn Gehwege verbreitert oder Ampelschaltungen verbessert werden, kommt dies auch allen anderen Passanten zugute.“ Allein zwischen 2012 und 2014 seien 50 solcher Maßnahmen umgesetzt worden – von den Querungshilfen in der Zeppelinstraße und der Hirtenaue bis zu Gehwegnasen in der Poststraße und im Sitzbuchweg. Doch damit nicht genug: In der Arbeitsgemeinschaft Fußverkehr (AG Fuß), der neben dem VCD, der Stadt und der Polizei auch andere Interessengruppen, die Kinderbeauftragten und die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH angehören, werden regelmäßig aktuelle Anliegen diskutiert.

„Ich sehe schon noch Probleme“, widerspricht hingegen Ingolf Hetzel, Vorstand des VCD-Regionalverbandes Rhein-Neckar. Immer noch werde dem Autoverkehr in Heidelberg zu viel Vorrang eingeräumt. Als Fußgänger in der Stadt müsse man häufig minutenlang an Ampeln warten, während der motorisierte Verkehr ungehindert passieren könne. Hetzel schlägt vor, viele Ampeln ab 21 Uhr einfach abzuschalten oder mehr „Dunkelampeln“ aufzustellen. Diese Lichtsignalanlagen sind in der Regel ausgeschaltet. Doch wenn ein Fußgänger sich aus Unsicherheit nicht über die Straße traut, kann er sie aktivieren und bekommt innerhalb von wenigen Sekunden Grün. An einigen Stellen könne man sogar ganz auf Ampeln verzichten, so Hetzel. Als Beispiel nennt er die Querung vom Hauptbahnhof zur Straßenbahnhaltestelle.

Die Sicherheit von Fußgängern könnte laut Hetzel auch verbessert werden, wenn der Radverkehr auf die Straße gelegt oder mehr Bordsteine abgesenkt würden. Selbst bei Neubauten sei diese Barrierefreiheit aber noch immer keine Selbstverständlichkeit. Hetzel: „Das geht hier alles viel zu langsam.“