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Staus haben „ein kaum erträgliches Ausmaß“

Staus haben „ein kaum erträgliches Ausmaß“

RNZ vom 18.01.2008

Im morgendlichen Berufsverkehr stauen sich die Autos in Altwiesloch bis zu einer Länge von 800 Metern. Das hat jetzt die Verkehrszählung im Rahmen des Projekts ‚Move‘ ergeben. Das Projekt will alternative Mobilitätsformen stärken, um schnell Altwiesloch zu entlasten.

Verkehr in Altwiesloch

Im morgendlichen Berufsverkehr stauen sich die Autos in Altwiesloch bis zu einer Länge von 800 Metern. Das hat jetzt die Verkehrszählung im Rahmen des Projekts „Move“ ergeben. Das Projekt will alternative Mobilitätsformen stärken, um schnell Altwiesloch zu entlasten. Foto: Pfeifer

(oé) „Mobilität bewahren – Verkehr sparen“ (move), so heißt das Projekt, dessen Ziel es ist, durch „weiche Maßnahmen“ eine Verkehrsentlastung für Altwiesloch zu erreichen. Das Projekt ist aus dem Agenda-Prozess hervorgegangen und will mit Hilfe verschiedener Projektgruppen vor allem das Mobilitätsverhalten der Verkehrsteilnehmer ändern – hin zum Öffentlichen Personennahverkehr, zu Fahrrad und gemeinschaftlicher Nutzung des Autos, etwa über Fahrgemeinschaften, Mitfahrbörsen oder ein „Zusteiger-Mitnahme-System“. Projektleiter Wolfgang Widder stellte das Vorhaben, das sich über das ganze Jahr 2008 erstrecken soll, jetzt im Ausschuss für Technik und Umwelt vor.

Er nannte es ein wesentliches Ziel des Projekts, die Betroffenen selbst aktiv an dem Prozess zu beteiligen. So wird etwa eine Projektgruppe mit Eltern, Lehrern und Schülern zum Thema Schulverkehr vorbereitet. Ähnliches soll beim Berufsverkehr geschehen. In den Ortschaften, aus denen der durch Altwiesloch fließende Verkehr vor allem stammt (Schatthausen, Baiertal, Dielheim mit seinen Ortsteilen und auch Altwiesloch selber) sollen sogenannte „Ortsteams“ gebildet werden, die vor Ort für das Projekt werben. Andere Gruppen wiederum machen sich Gedanken, wie der Anteil der Fahrradfahrer, der ÖPNV-Nutzer oder gemeinschaftlicher Autonutzer erhöht werden kann.

Einen besonderen Schwerpunkt bildet zudem die Kampagne „Vier statt Fünf“, die Wolfgang Widder zufolge möglichst viele Menschen dazu bringen will, wenigstens einmal die Woche nicht allein im Auto zur Arbeit zu fahren, sondern Bus, Fahrrad, Taxi oder eine Fahrgemeinschaft zu nutzen. Der Startschuss für diese Kampagne und das move-Projekt insgesamt soll am 7. Februar mit einer Informationsveranstaltung im Bürgerhaus Altwiesloch fallen. Das move-Projekt wird mit 25000 Euro vom Land gefördert, das Gesamtbudget beträgt rund 40000 Euro.

Den eigentlichen Auftakt des Projekts bildete eine Verkehrszählung Anfang Dezember, welche die Ausgangsdaten ermitteln sollte. Am Ende des Projekts steht dann noch einmal eine Erhebung, an der sich die Veränderungen ablesen lassen. Die Auftakt-Zählung fand während des morgendlichen Berufsverkehrs zwischen 6.30 und 8.30 Uhr statt und führte zu dem Ergebnis, dass in Altwiesloch der morgendliche Stau an Schultagen „ein kaum erträgliches Ausmaß“ annimmt. Während der Hauptbelastung zwischen 7.25 und 7.50 Uhr bilden sich Rückstaus von 700 bis 850 Meter. Im Durchschnitt ist ein Auto mit 1,25 Personen besetzt, wobei gerade während der Stoßzeit (7.15 bis 7.45 Uhr) der Besetzungsgrad deutlich höher ist (was eventuell daher rührt, dass um diese Uhrzeit verstärkt Eltern ihre Kinder zur Schule bringen).

Ein ebenso überraschendes wie positives Ergebnis der Erhebung ist, dass morgens immerhin schon ein Viertel der Verkehrsteilnehmer den Bus benutzen. Das sei ein „enormer Anteil“, freute sich Baubürgermeister Erwin Leuthe, der das Projekt aktiv begleitet. Und noch etwas sorgte für Überraschung. So hat sich die Anzahl der Kraftfahrzeuge gegenüber früheren Zählungen verringert. Zwischen 6.30 und 8.30 Uhr zählten die move-Mitarbeiter 2145 Fahrzeuge, 2006 waren es noch 2199 und 2002 sogar 2333. Dies stünde im Widerspruch zu der Prognose von stetig weiter steigenden Fahrzeug-Zahlen.

Grünen-Stadtrat Kai Schmidt-Eisenlohr hielt dies mit Blick auf die anstehende Diskussion zur Umgehungsstraße für bemerkenswert und fragte sich, inwieweit die bisherigen Prognosen noch korrekt seien. Wolfgang Widder betonte indes, dass es sich hier nur um einen Ausschnitt über einen Zeitraum von zwei Stunden handele. Eine Aussage, wie sich die Gesamtverkehrsmenge über den ganzen Tag gesehen entwickle, sei damit nicht möglich. Ohnehin könne die move-Erhebung „nicht die Datengrundlage für die Umgehungsstraßen-Entscheidung liefern“, warnte Widder. Beides seien „zwei paar Stiefel“.

Für Bürgermeister Leuthe könnte die leichte Abnahme des Individualverkehrs zu den morgendlichen Stoßzeiten daher rühren, dass die Ortsdurchfahrt inzwischen an ihre Kapazitätsgrenze stößt und bereits ein Ausweichen stattfindet. Er erhofft sich von dem move-Projekt vor allem eine schnelle Entlastung Altwieslochs. Denn eine Umgehungsstraße dauere ja noch. Insofern wäre „schon viel erreicht“, wenn sich mit dem Budget von 40000 Euro der morgendliche Stau „um fünf oder zehn Prozent“ reduzieren ließe.