Bild_kopf
Ein Preis für nachhaltige Kommunalpolitik

Ein Preis für nachhaltige Kommunalpolitik

Land zeichnet Wieslochs „Lokale Agenda 21“ aus – Umweltministerin Tanja Gönner übergab die Urkunde in Stuttgart

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung vom 7. juni 08

Wiesloch/Stuttgart. (oé) „Global denken – lokal handeln“: Unter diesem Motto steht die „Lokale Agenda 21“, ein weltweiter Prozess nachhaltigen Handelns in den Kommunen, den der Umweltgipfel von Rio im Jahr 1992 angestoßen hat. In Baden-Württemberg gibt es die „Lokale Agenda“ seit zehn Jahren. Damals schuf das Land gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden das Agenda-Büro in Karlsruhe. Das Jubiläum war jetzt Anlass für das Land, besonders gelungene Beispiele lokaler Agenda-Arbeit auszuzeichnen. Unter den 23 Preisträgern, die aus den 500 eingesandten Projekten ausgewählt wurden, ist auch Wiesloch. Die Weinstadt erhielt den mit 1000 Euro dotieren Preis als Anerkennung für ihr kommunales Leitbild und für die kontinuierliche Agenda-Arbeit der zurückliegenden Jahre. Überreicht wurde die Urkunde in Stuttgart von Umweltministerin Tanja Gönner.

In der Tat zählt Wiesloch zu den wenigen Städten, wo der Agenda-Prozess „kein Strohfeuer“ war, wie jetzt OB Franz Schaidhammer betonte. Stattdessen wird in der Weinstadt nun schon fast zehn Jahre lang kontinuierlich an einer nachhaltigen Kommunalpolitik auf den Feldern Ökologie, Ökonomie und Soziales gearbeitet. „Der Prozess kam nie zum Stillstand“, unterstreicht auch Monika Stein, die städtische Umweltbeauftragte. Seit dem Startschuss im Jahr 1999 sind so zahlreiche Projekte entstanden: Der Bauernmarkt und die Energiesparberatung gehören ebenso dazu wie die Arbeitskreise „Mobilfunk“ oder „Integration“. Auch das Ehrenamtsbüro ist ein Kind der Agenda, ebenso wie das „Gewässerprojekt“, das inzwischen fest zum Lehrplan vieler Wieslocher Schulen gehört (und das 2002 ebenfalls ausgezeichnet wurde). Jüngstes Beispiel für erfolgreiche Agenda-Arbeit ist das Verkehrsprojekt „Move“, das dabei helfen will, die Verkehrsbelastung Altwieslochs zu reduzieren. Viele dieser Angebote sind inzwischen selbstverständlich geworden, ohne dass der Ursprung immer gleich präsent wäre, und „so soll es eigentlich auch sein“, betont der OB. Einen Grund für den Erfolg des Agenda-Prozesses in Wiesloch sieht er darin, dass von Anfang an eine enge Kooperation zwischen der Bürgerschaft, dem Gemeinderat und der Verwaltung gelungen ist. So ging etwa der Entwurf des kommunalen Leitbilds als Faltblatt an alle Haushalte der Stadt, auch Vereine und Kirchen waren eingeladen, das Papier zu diskutieren, bevor dann ein ganztägiger Workshop mit dem Gemeinderat stattfand. Ein Lenkungskreis wurde gebildet, in dem sich Verwaltungs-Vorstand und Rathaus-Abteilungsleiter sowie Mitglieder der Ratsfraktionen und Vertreter der Agenda-Arbeitsgruppen zweimal jährlich treffen, um neue Projekte auf den Weg zu bringen.

Für die Umweltbeauftragte Monika Stein war dies „ein guter Weg“. Es habe „keine Polarisierung zwischen Verwaltung und Ehrenamtlichen gegeben“, sondern eine „gute Zusammenarbeit“– auch deshalb, weil die Rathaus-Chefs von Anfang an voll hinter dem Projekt standen. Natürlich gab es in den zurückliegenden Jahren auch Konflikte und nicht alle Erwartungen konnten erfüllt werden. So wird es dem OB zufolge immer einen Abwägungsprozess zwischen dem ökologisch Wünschenswerten und dem ökonomisch Machbaren geben müssen. Vorher hatte ein solcher Abwägungsprozess aber häufig gar nicht stattgefunden. Für Simone Janas, die Vorsitzende des Naturschutzbundes in Wiesloch, hat sich deshalb die Agenda-Arbeit auf jeden Fall schon gelohnt. „Wichtig ist, dass die Dinge auf den Tisch kommen und überhaupt erst einmal angesprochen werden“, sagt
sie. Es sei aber auch klar, dass man für Erfolge „einen langen Atem“ brauche. Gerade in langfristiger Perspektive sieht Meinrad Singler, der Chef der Stadttechnik, den Agenda-Prozess wirken: Die Agenda-Arbeit sei überall dort stark, wo es um strategische Weichenstellungen für die Zukunft gehe, und darum, Umdenkungsprozesse in die Wege zu leiten. Aber die Agenda-Arbeit hat auch schon ganz konkrete Ergebnisse vorzuweisen. Dass etwa die Stadt den CO2_Ausstoß städtischer Gebäude dank des Einsatzes regenerativer Energien inzwischen um rund 50 Prozent gesenkt hat, ist auch eine Folge des Agenda-Prozesses. Der wird weitergehen, davon ist Karl Walter, der von Anfang an als ehrenamtlicher Moderator mit dabei war, „fest überzeugt“. Denn das ehrenamtliche Engagement der Bürgerschaft war stets groß und es finden sich Karl Walter zufolge „immer wieder neue Menschen, die sich engagieren wollen“.

080607_rnz-preis-fur-nachhaltige-kommunalpolitik