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Die Sperrung bringt alle an einen Tisch

Die Sperrung bringt alle an einen Tisch

Mit blauen Punkten wird in Weinheim im Rahmen der Sperrung des Saukopftunnels gearbeitet. Die RNZ berichtet in ihrem Artikel auch über einen Baustein, der der Zusteiger-Mitnahme entspricht.
Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung vom 28. Juni 08
Von Stefan Zeeh

Die Sperrung bringt alle an einen Tisch
Trotzdem wird es eine harte Zeit, wenn der Saukopftunnel ab 1. Juli gesperrt ist – „Blaue Punkte“ für Mitfahrgelegenheiten

Weinheim. Staus schaffen Gemeinsamkeiten, führen Menschen zusammen. Die Sperrung des Saukopftunnels zwischen Weinheim und Mörlenbach vom 1. Juli bis Ende dieses Jahres hat jedoch schon im Vorfeld dazu geführt, dass sich die Verantwortlichen aus den betroffenen Gemeinden und des Regierungspräsidiums zusammengesetzt und mögliche Alternativen für die Autofahrer ausgearbeitet haben, um so den prognostizierten Stau in der Birkenauer Talstraße in Weinheim möglichst kurz zu halten. Immerhin wird angenommen, dass bis zu 25 000 Fahrzeuge täglich durch die Birkenauer Talstraße fahren könnten, doppelt so viele wie bisher.

„Das Beste ist natürlich, wenn gar kein Auto benutzt wird“, hielt Weinheims Oberbürgermeister Heiner Bernhard dieser Tage bei einem Pressegespräch fest. Als erste Alternative steht hierfür der öffentliche Nahverkehr zur Verfügung. Deshalb hat man beispielsweise das Angebot der Zugverbindung von Weinheim nach Fürth bei der letzten Fahrplanänderung bereits ausgebaut und wird es ab dem 1. Juli noch weiter verbessern. So verkehren die Züge auf dieser Strecke nun im halbstündigen Takt von 4.50 Uhr bis 9 Uhr, statt bisher bis 8 Uhr. Außerdem werden über weite Teile des Tages immer zwei Züge gleichzeitig auf der einspurigen Strecke eingesetzt, so dass ein ausreichendes Platzangebot vorhanden sein sollte.

Auch das Fahrrad könnte durchaus wieder zum Einsatz kommen. Die Weinheimer Stadtverwaltung hat erst in der vergangenen Woche eine Aktion angestoßen, bei der städtische Mitarbeiter während der Tunnelsperrung ihr Auto stehen lassen und dafür mit dem Fahrrad in die Zweiburgenstadt fahren (siehe Artikel unten). „Wer etwas Zeit mitbringt, nützt vielleicht den Wanderweg durch den Wald nach Weinheim“, wies Iris Berbner, die Bürgermeisterin von Birkenau, auf einen eher ungewöhnlichen Weg des autolosen Verkehrs im Odenwald hin. Wer trotzdem ein Auto benutzen muss, kann ab sofort Fahrgemeinschaften über die Internetseite der Stadt Weinheim (www.weinheim.de) gründen. Unter dem Bereich Bürgerservice-Verkehrsinfos gibt es die Möglichkeit, eine Mitfahrgelegenheit vom Odenwald in Richtung Rheinebene anzubieten oder diese zu suchen. Zusätzlich wird die Aktion „Blauer Punkt“ eingeführt. Dabei können sich Autofahrer blaue Punkte an die Innenscheibe ihres Wagens kleben und so zeigen, dass sie bereit sind, Fahrgemeinschaften zu bilden. Potenzielle Mitfahrer signalisieren mit einer kleinen Tafel, auf der sich ebenfalls ein blauer Punkt befindet, dass sie mitgenommen werden möchten. Möglichst spontan sollen sich so am Straßenrand „Mitnehmer“ und „Mitfahrer“ finden. Erhältlich sind die blauen Punkte in den Gemeindeverwaltungen. „Vielleicht ergibt sich aus diesen Aktionen auch eine Nachhaltigkeit für die Zukunft“, konnte Iris Berbner der Sperrung des Saukopftunnels eine positive Seite abgewinnen. Denn bei den steigenden Kraftstoffpreisen sind Fahrgemeinschaften durchaus lohnenswert.

Auf Seiten des Regierungspräsidiums in Karlsruhe war man ebenso nicht untätig und hat in Zusammenarbeit mit den Gemeinden und der Polizei ein Umleitungskonzept erstellt. „Wir wollen den Verkehr möglichst um Weinheim herumleiten“, erläuterte Peter Siepe, Referatsleiter im Regierungspräsidium. Das Umleitungskonzept sieht beispielsweise vor, den aus Mannheim kommenden Verkehr in Richtung Mörlenbach–Rimbach über Heppenheim zu führen. Wer von Waldmichelbach kommt, könnte über Oberflockenbach nach Großsachsen fahren. Geändert werden zusätzlich die Ampelschaltungen im Bereich der Peterskirche und der Einmündung der Birkenauer Talstraße in die Bundesstraße B 3, so dass die Bald ist es so weit.
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