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Die Initiative „Move“ konnte im Jahr 2008 einiges bewegen

Die Initiative „Move“ konnte im Jahr 2008 einiges bewegen

Ergebnisse der Verkehrszählung in Altwiesloch wurden vorgestellt – Rückgang des Pkw- und Lkw-Verkehrs ist zu verzeichnen

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung vom 28.01.09

Wiesloch. (fab) „Mir gefällt an dem Projekt ’Move’ vor allem die Tatsache, dass es sich nicht gegen etwas stellt und niemanden verteufelt“, so Wieslochs Oberbürgermeister Franz Schaidhammer bei der Vorstellung der Move_Ergebnisse im Bürgerhaus in Altwiesloch. „Das Projekt hat Menschen zusammengebracht und langsam sieht man auch die ersten mit ihren Schildchen am Straßenrand stehen.“ Außerdem lobte er die Kreativität und Ideen, wie etwa den Schulgehbus, die Öffentlichkeitsarbeit und den Initiator Wolfgang Widder als „treibende Kraft“ der Initiative.

Zahl der Autos geht zurück

Danach begann die Vorstellung der Ergebnisse, nachdem diese zuvor bereits dem Ausschuss für Technik und Umwelt präsentiert worden waren (die RNZ berichtete). Auf besonderes Interesse stießen die Ergebnisse der Verkehrszählungen in Altwiesloch, die durchaus Erstaunliches zu Tage förderten. So wurde von den freiwilligen Helfern eine deutliche Abnahme des Verkehrs insgesamt gemessen – und zwar von 3602 Fahrzeugen am 4. Dezember 2007 auf 3485 am 9. Dezember 2008 (gezählt wurde jeweils von 6.30 bis 8.30 Uhr in Fahrtrichtung Wiesloch). Zudem stellte man fest, dass die Zahl der Alleinfahrer 2008 um über 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen sei. Gleichzeitig stellte man eine deutlich erhöhte Zahl von Busgästen und eine leicht erhöhte Zahl von Radfahrern fest.

Als Erfolg wertete man den Halbstundentakt der Linie 702. Auch die Staulängen in Altwiesloch wurden beobachtet. Hier stellte man deutliche Unterschiede fest. So waren die Staus im Dezember 2008 in der kritischen Zeit zwischen 7 und 8 Uhr um mehrere hundert Meter kürzer als im Jahr davor. Wolfgang Widder wies aber auch darauf hin, dass sich der Rückstau sehr schnell auf- und abbaue und man auch nicht mit Sicherheit sagen könne, welche Auswirkungen die monatelange Baustelle in der Baiertaler Straße auf das Verhalten der Autofahrer hatte. So gab es viele, die Alternativrouten über Maisbach oder Rauenberg wählten und diese vielleicht noch bis heute beibehalten hätten. Auch der Rückgang beim Lkw-Verkehr könnte damit zu tun haben. Widder mutmaßte, dass ebenfalls die Kurzarbeit durch die Wirtschaftskrise zu einer Abnahme des Verkehrs beigetragen haben könnte.

Trotzdem lasse sich nicht leugnen, dass die Verkehrssituation in Altwiesloch eine gänzlich andere sei als noch vor einem Jahr. Inwieweit das so bleibe, werde das nächste Jahr mit weiteren Aktivitäten und Verkehrszählungen sicher zeigen. Eine Änderung ergab sich bei den Besetzungsgraden der Pkw in der „kritischen halben Stunde“ zwischen 7.15 und 7.45 Uhr. Hier wurde in der Dielheimer Straße ein leichter Anstieg festgestellt, in der Baiertaler Straße ein sehr geringer. Verwunderlich sei das vor allem, da sich gerade in Dielheim mit nur wenigen Registrierungen und keinem eigenen Move-Ortsteam diese Veränderung ergeben habe. Zurückgeführt wurde das von Widder auf die Lage Dielheims im Tal und die dadurch bessere Nutzung der Radwege nach Wiesloch sowie eine schon von vornherein bessere Organisation von Schulfahrgemeinschaften und Elternbringdiensten bei schlechtem Wetter.

Noch Raum für Verbesserungen

Schlussendlich wertete Widder das Ziel zur Minderung der Verkehrsbelastung in Altwiesloch als weitgehend erreicht. Lediglich die Zunahme des Pkw-Besetzungsgrads um nur zehn Prozent wertete er nur als Teil-Erfolg. In Prozentzahlen ausgedrückt ergab sich bei der Nutzung der Busse eine Zunahme von etwa 35 Prozent, beim Radverkehr von zehn Prozent. Gleichzeitig ging der Lkw-Verkehr um 20 Prozent zurück. Rund 30 Prozent der Autofahrer hätten aufgrund der Baustelle Alternativrouten genutzt. Ungeachtet dessen sieht Wolfgang Widder noch immer Raum für Verbesserungen und stellte damit auch die Ziele und Perspektiven für 2009 vor. So soll es eine Erweiterung und Einbeziehung der Nachbargemeinden Walldorf und Rauenberg geben. Hier machte der ebenfalls anwesende Rauenberger Bürgermeister Frank Broghammer bereits eine Zusage eines Zuschusses von 5000 Euro. Zudem soll der Fokus mehr auf Betriebe, Jugendliche und junge Erwachsene gelegt werden, die Zusteiger-Mitnahme und die Mitfahrerzentrale sollen gestärkt werden.

Und natürlich wird die Arbeit an den Rad- und Buskampagnen weitergehen, eventuell erweitert um eine neue, breitere Verkehrskampagne mit einem insgesamt schlankeren Ansatz, was den Einsatz von Hilfskräften angeht.

Konkret will Move 2009 die Zahl von 1200 Teilnehmern im Stadtgebiet, 200 in Walldorf und 150 in Rauenberg erreichen. Damit will man die Nord-Süd-Achsen miteinbeziehen sowie die Dielheimer Linie für die Zusteiger-Mitnahme eröffnen. Das Ziel sind 20 Mitnahmen am Tag. Abschließend gab es noch eine Fragerunde, in der sich Altwieslocher Bürger vor allem noch einmal dafür stark machten, trotz Move und der damit erreichten Verkehrsreduzierung die Umgehungsstraße nicht zu vergessen. Denn auch ein reduzierter Verkehr brächte immer noch eine erhebliche Schadstoffbelastung