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Den Bus als Alternative zum Auto entdecken

Den Bus als Alternative zum Auto entdecken

Verkehrsinitiative „Move“ und VRN starten gemeinsame Aktion für Bürger Wieslochs und Dielheims mit dem „Entdecker-Ticket“

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung vom 16. Mai 2008

Wiesloch. (oé) Die Benzinpreise steigen unaufhörlich und auch die Staus werden immer länger – erst recht, seit in der vielbefahrenen Ortsdurchfahrt von Altwiesloch die Kanalbau-Arbeiten begonnen haben. Eigentlich ideale Voraussetzungen, um einmal den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) als Alternative auszuprobieren. Das findet die Verkehrsinitiative „Move“, die mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen die Verkehrsbelastung Altwieslochs reduzieren will. Und das findet auch der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN). Beide haben sich jetzt zusammengetan, um den Bürgern Wieslochs und Dielheims ein besonderes Angebot zu machen: In den Monaten Juni und Juli (letzte Kaufmöglichkeit ist der 31. Juli) können sie das sogenannte „Entdecker-Ticket“ des VRN erwerben. Es ist jeweils für einen Monat gültig, kostet pro Person 45,50 Euro und berechtigt zu Fahrten im gesamten Verbandsgebiet. In den nächsten Tagen geht nun allen Haushalten Dielheims und Wieslochs sowie ihrer Ortsteile ein Faltblatt zu, in dem die Bürger über das Angebot informiert werden und auch erfahren können, wo es das Entdecker-Ticket zu kaufen gibt (am Kiosk beim Schillerpark, am Reisezentrum des Bahnhofs Wiesloch-Walldorf und bei der SWEG in den Ziegelwiesen, Wiesloch).

Mannheim als Vorbild

Das Entdecker-Ticketist keineswegs neu, wie jetzt Horst Kummerow, der Geschäftsführer der Unternehmensgesellschaft VRN im Pressegespräch erläuterte. Der VRN hat es seinen Worten zufolge eingeführt, um insbesondere Neubürgern die Möglichkeit zu geben, einen Monat lang mit Bussen und Bahnen die Region zu entdecken. Entsprechend wird das Entdecker-Ticket auch in den Neubürger- Paketen der Gemeinden offeriert. Neuerdings hat der VRN dieses spezielle Angebot aber auch auf andere Zielgruppen ausgedehnt. So nahm der Verkehrsverbund die Einführung der Umweltzone iin Mannheim zum Anlass, um verstärkt für das Entdecker-Ticket zu werden – mit durchschlagendem Erfolg: „Wir haben allein dadurch rund 2000 Tickets abgesetzt“, freut sich Kummerow. Dieses Beispiel könnte auch in Wiesloch und Dielheim Schule machen, hofft Wieslochs Baubürgermeister Erwin Leuthe, der selbst im „Move“-Team engagiert mitarbeitet. Neben verschiedenen alternativen Mobilitätsformen (wie Radfahren oder Zusteiger-Mitnahme-System) propagiert die Verkehrsinitiative auch das Umsteigen auf den ÖPNV – dies gerade mit Blick auf den Schulverkehr, der in Altwiesloch ein wesentlicher Staufaktor ist. Hier erhofft sich Leuthe vom Entdecker-Ticket eine „nachhaltige Wirkung“. Zumal die Kommunen inzwischen beim ÖPNV „gute Voraussetzungen geschaffen“ haben. Das betont auch Friedemann Schmid vom Bus-Unternehmen SWEG. So fahren die Busse zwischen Schatthausen und dem Bahnhof Wiesloch-Walldorf im Halb-Stunden-Takt und binden jede S-Bahn an. Auch die Linie 702 von und nach Dielheim ist seit Dezember 2007 in den Hauptverkehrszeiten auf einen Halbstunden-Takt verdichtet worden. Darauf weist besonders Dielheims Bürgermeister Hans-Dieter Weis hin. Er verspricht sich von der jetzigen Aktion eine weitere Absenkung der „Einstiegsschwelle“ für den ÖPNV. Seiner Beobachtung nach fahren zudem immer noch viele Bürger mit dem Auto zum Bahnhof Wiesloch-Walldorf, wo sie doch leicht auch den Bus nutzen könnten, zumal Dauerkarten wie Job-Ticket oder „Karte ab 60“ für beide Verkehrsmittel gälten.

ÖPNV im Aufschwung

Dass sich die Verbesserungen im ÖPNV auch bislang schon ausgezahlt haben, betont Friedemann Schmid von der SWEG. So sei die jüngste Verkehrszählung im April „sehr erfreulich“ ausgefallen. Von der Entdecker-Ticket-Aktion erhofft sich Schmid nun einen neuerlichen Schub bei den Fahrgastzahlen. Die Kapazitäten seien vorhanden. „In der Regel gibt es noch Sitzplätze in den Bussen“, betont der Regionalchef der SWEG, der sich allerdings mit Blick auf die Baustelle in Altwiesloch eine Bevorrechtigung der Busse wünscht, damit die Fahrpläne eingehalten werden können und keine S-Bahn-Anschlüsse verpasst werden. Den positiven Trend beim ÖPNV bestätigt auch Horst Kummerow vom VRN. Sein Verkehrsverbund konnte die Fahrgastzahlen in den letzten Jahren stets um durchschnittlich 1,5 bis zwei Prozent steigern. 92 Prozent der VRN-Kunden seien mit Zeitkarten unterwegs, damit habe der Verkehrsverbund Rhein-Neckar „die höchste Zeitkartenquote“. Kummerows Fazit: „Das Angebot stimmt, die Attraktivität nimmt zu.“ Der VRN will diesen Trend übers Jahr mit weiteren Aktionen stärken. „Die Entwicklung auf dem Treibstoffmarkt gibt uns da eine Steilvorlage“, sagt Kummerow.

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Stellten jetzt die gemeinsame Aktion von „Move“ und VRN zum Entdecker-Ticket vor, von links: Bürgermeister Hans-Dieter Weis (Dielheim),
Friedemann Schmid (SWEG), Horst Kummerow (VRN) sowie „Move“-Vertreter und Bürgermeister Erwin Leuthe (Wiesloch). Foto: Pfeifer