Bild_kopf
Barbara Matt aus Wiesloch – move-Radlerin des Monats September

Barbara Matt aus Wiesloch – move-Radlerin des Monats September

Warum ein Rad manchmal mit dem Fahrstuhl bewegt wird, erfahren Sie aus dem Porträt der jungen move-Radlerin des Monats September.

Barbara Matt aus Wiesloch – move-Radlerin des Monats September
Barbara Matt ist 20 Jahre alt, ist in Wiesloch aufgewachsen und lebt dort noch heute mit ihren Eltern. Nachdem sie 2011 erfolgreich ihr Abitur abgelegt hatte,
entschied sie sich im Rahmen des „Europäischen Freiwilligendienstes“ für ein Jahr nach Breslau in Polen zu gehen. Zu der Entscheidungsfindung für Polen hatten ein 10-tägiger Schüleraustausch mit Polen im Mai 2009 – man traf sich mit Schülern aus Wieslochs Partnerstadt Z?bkowice ?l?skie (ca. 60 km südlich von Breslau) in einer Begegnungsstätte in der Nähe von Danzig – sowie ein europäisches Jahreswechseltreffen von der Glaubensgemeinschaft Taizé in Posen im Jahr 2009/2010 beigetragen. Dort machte Barbara positive Erfahrungen mit der polnisch-deutschen Begegnung. Sie entschied sich dann ganz bewusst für den Freiwilligendienst in Polen!

Im Oktober 2011 hieß es für ein Jahr Abschied nehmen von der Heimat. Ihre Aufgabe in Breslau bestand darin, in einem integrativen Schulzentraum, besonders behinderte Kinder zu unterstützen und als Lehrerassistentin im Deutsch- und Englischunterricht mitzuarbeiten. Einen Tag pro Woche besuchte sie regelmäßig ein Altenheim, wo sie ihre Zeit mit den Bewohnerinnen und Bewohner verbrachte, indem sie mit ihnen spielte, spazieren ging oder einfach nur die Unterhaltung pflegte. Verständigungsprobleme hatte sie dabei nicht, da sie dort zwei deutschstämmige über 80-jährige Damen kennenlernte, die ihr viel Interessantes aus ihrer deutsch-polnischen Vergangenheit berichteten.

Ihre Unterkunft in Breslau, Stadtteil Pöpelwitz (Popowice) war eher bescheiden.
Sie wohnte gemeinsam mit zwei anderen Deutschen in einer Freiwilligen-WG im
siebten Stockwerk eines Plattenbaus. Im Alltag merkte Barbara sehr schnell, dass sie eines besonders vermisste: Ihr Fahrrad! Sie sei zu sehr von öffentlichen Verkehrsmitteln abhängig und nicht flexibel genug gewesen, berichtet sie. Besonders fehlte ihr auch die Bewegung an frischer Luft. Im Frühjahr 2011 sollte sich dieses ändern, lernte sie doch in einer Studentengemeinde eine nette Familie kennen, die bereit war, ihr für ein Jahr ein Fahrrad auszuleihen. Die neu gewonnene Freiheit nutzte Barbara besonders für tägliche Besorgungen im Breslauer Zentrum, ca. 20 Min. von Pöpelwitz aus zu fahren. Nur ein Problem stellte sich schließlich noch: „Wo konnte das Rad über Nacht abgestellt werden?“ Da keine Garage oder ein Stellplatz vorhanden waren, nahm sie es kurzerhand hochkant mit in den Fahrstuhl (siehe auch Foto) und parkte es im Flur ihrer WG.

Wie hat Barbara das Fahrradfahren in Polen empfunden? Ihrer Meinung nach gibt es dort wenig Fahrradwege, aber man sei bemüht, diese zu schaffen. Aus Sicherheitsgründen fährt man lieber auf den Gehwegen als auf der Straße. Das Fahrrad wird in Breslau weniger als Alltagsverkehrs- oder transportmittel verwendet, sondern eher für nette Ausflüge z.B. am Wochenende genutzt. Barbara berichtet aber, dass das Fahrradfahren im Kommen sei. Ein Manko seien Fahrradständer, so dass man sein Rad am besten an Laternenpfählen befestigt. An der Uni, wo sie Polnischunterricht für Ausländer belegt hatte, war allerdings ein Ständer vorhanden. Die Qualität der meisten Fahrräder sei nicht mit dem deutschen Standard zu vergleichen. Diese seien eher einfach, mit wenig Zubehör, Pedelecs sähe man gar nicht. Einige Studenten waren mit dem Fahrrad unterwegs, viele nutzen aber auch die öffentlichen Verkehrsmittel, denn für Schüler, Studenten und Rentner gäbe es eine Fahrpreisermäßigung von 50%. Anders als in Deutschland, ist es vielen jungen Leuten aus Kostengründen nicht möglich, gleich mit 18 Jahren die Autoführerscheinprüfung abzulegen, obwohl der Führerschein in Polen um einiges billiger sei als in Deutschland.

Inzwischen ist Barbara aus Polen zurückgekehrt und möchte im Oktober diesen Jahres nach Ludwigsburg ziehen, um dort Religionspädagogik und Soziale Arbeit zu studieren.

Der Tenor ihres Polenaufenthalts ist: Die große Gastfreundschaft und Herzlichkeit sowie auch die Hilfsbereitschaft der polnischen Bevölkerung haben sie beeindruckt. Barbara erlebte die Polen kontaktfreudig und offen. Das Jahr war eine Bereicherung, sie habe viel gelernt (auch ein bisschen die Sprache) und kann einen Freiwilligendienst im Ausland nur weiterempfehlen.

Nach der bestandenen Bewährungsprobe in Polen, sollte ihr der Umzug in das Schwabenland nicht mehr schwerfallen, obwohl es ja mitunter auch im eigenen Land Verständigungsprobleme geben kann … Aber auch Schwäbisch lässt sich lernen. Move wünscht ihr für den bevorstehenden Umzug alles Gute und weiterhin viel Freude am Radfahren!

Barbara Matt aus Wiesloch - move-Radlerin des Monats September

Barbara Matt aus Wiesloch – move-Radlerin des Monats September