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1500 Schritte können wahre Wunder bewirken

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1500 Schritte können wahre Wunder bewirken

24. Januar 2009

Die RNZ berichtet – mit Bezug auf die Wieslocher Aktivitäten – über den „Laufenden Schulbus“, der vom Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises und anderen Institutionen angeregt wird.

1500 Schritte können wahre Wunder bewirken
Informationsveranstaltung zum Projekt „Laufender Schulbus“ stieß auf großes Interesse – Viele positive Auswirkungen auf die Kinder

Von Stefan Hagen – Quelle: RNZ vom 24.01.09

Rhein-Neckar. „Ich habe einfach ein gutes Gefühl, wenn mein Kind mit dieser tollen Gruppe in die Schule läuft“. Nicola Hackmann-Schlichter ist begeistert. Seit dem Start des Projekts „Laufender Schulbus“ an der Wieslocher Schillerschule im vergangenen Jahr, stehen viele Kinder der ersten Klassen morgens richtig gut gelaunt auf und freuen sich auf ihre „Bustour“ zu Fuß.

Die Idee – sie kommt aus Australien – ist einfach aber genial: Statt mit einem motorisierten Bus zu fahren, geht eine Gruppe von Kindern morgens gemeinsam zu Fuß in die Schule. Wie ein Linienbus steuert der „Laufende Schulbus“ Haltestellen an. An diesen geht die Gruppe zu festgelegten Zeiten vorbei, und die Schüler können hier „ein- und aussteigen“. Die Haltestellen sind durch spezielle Schilder gekennzeichnet. Als „Busfahrer“ ist stets ein Erwachsener dabei, die Eltern wechseln sich dabei ab. „Das klappt bei uns ganz hervorragend“, sagt Nicola Hackmann–Schlichter. Man habe niemanden lange bitten müssen, „alle waren sofort Feuer und Flamme für das Projekt.“

Und während der „Fahrt“ hat sie Bemerkenswertes beobachtet. „Die Kinder quatschen sich schon auf dem Weg aus und kommen ganz entspannt in der Schule an“, lächelt die Mutter aus Wiesloch. Auch in anderen Kommunen im Kreis wird das Projekt mit wachsender Begeisterung durchgeführt – beispielsweise in Schwetzingen, Bammental und Mauer. Landrat Dr. Jürgen Schütz beobachtet diese Initiativen mit großem Interesse und so machen sich das Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises mit dem Praxisbüro Gesunde Schule, die Stadt Heidelberg mit dem Agenda-Büro und dem Arbeitskreis „clever unterwegs“ sowie das Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg gemeinsam dafür stark, dass an möglichst vielen Grundschulen der „Laufende Schulbus“ zum Einsatz kommt.

Eine Broschüre mit zahlreichen Tipps wurde bereits herausgegeben, und ein Informationsabend am vergangenen Donnerstag stieß auf reges Interesse. Unter anderem bei Rosi Gramlich Lenz, Rektorin der Sonnberg-Grundschule in Laudenbach. Zusammen mit Ingeborg Reschke, der Vorsitzenden des Elternbeirats, ließ sie sich die Gelegenheit nicht entgehen, den „Laufenden Schulbus“ näher kennenzulernen. Für Dr. Gerhard Huber vom Institut für Sport und Sportwissenschaft liegen die Vorteile des Projekts klar auf der Hand. „Kinder, die morgens zur Schule laufen, gehen zwischen 700 und 2000 Schritte zusätzlich“, sagt der Experte. Hier werden Kalorien verbrannt, und dies sei auch bitter nötig. Schließlich sind heute 15 bis 20 Prozent der Kinder übergewichtig, vier bis acht Prozent davon sogar fettleibig.

Neben der körperlichen Betätigung bietet das Projekt weitere Vorteile, sagt Miriam Kehne von der Universität Paderborn. Das Sozialverhalten werde positiv beeinflusst, die Verkehrserziehung vertieft, die Sicherheit für die Kinder verbessert und natürlich auch die Umwelt geschont. Im Kreis Paderborn sei der „Laufende Schulbus“ 2005 mit 20 Kindern gestartet. „Inzwischen machen 1300 bis 1500 Schüler aus 30 Schulen mit“. Die laufen jetzt durchschnittlich 1500 Schritte zusätzlich, und die können wahre Wunder bewirken, weiß die Wissenschaftlerin.

Vielleicht gelingt im Rhein-Neckar-Kreis ja eine ähnliche Mobilisierung, der Anfang ist jedenfalls schon gemacht. Im Anschluss an die Veranstaltung wurde noch lange in kleinen Gruppen diskutiert, einige Schulen scheinen bereits sehr interessiert…

Info: Gesundheitsamt Rhein-Neckar, Dr. Margret Schuler, Telefon 06221/ 522 18 15.

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